Zwischen den Jahren

2018

Es ist 3:32, ich lieg hellwach im Bett, mein Kopf rattert und rattert. Henry schmiegt sich in meinen Arm und Alex klaut mir mit einer Drehung im Bett die Decke, also steh ich auf. Früher hab ich diese Nächte geliebt, wenn ich vor lauter Aufregung, Gedanken und Ideen nicht schlafen konnte. Früher hab ich in solchen Nächten mein Nachttischlämpchen angeknipst und alles aufgeschrieben, damit ich es bloß nicht vergesse, weil mir meine plötzlichen Nachtgedanken einfach nur genial erschienen. Wir wissen ja, dass bei Tageslicht alles wieder ein bisschen nüchterner aussieht, aber mich hat das beflügelt. Heute? Ich sehe mich mich schon morgen früh am Esstisch über meinem Kaffee hängen, müde. Müde von der Nacht, müde vom Jahr.

Daily Malina | Wohnung | Altbau HAmburg

 

Zwischen den Jahren

Angeblich gibt es diesen Ausdruck nur im Deutschen. Früher endete das alte Jahr schon nach Weihnachten und das neue begann erst nach Silvester, daher diese komische Redewendung und ich kann das total unterschreiben, so fühl ich mich gerade auch. Zwischen den Jahren, das ist ein kleiner Slowmotion-Mikrokosmos, in dem  die Tage ineinander verschmelzen. Und dann schwupps, neues Jahr, dreht sich sich die Welt wieder gewohnt raketenschnell und man kann nur froh sein, nicht aus der Umlaufbahn zu fliegen. Ich will ganz ehrlich mit euch sein, die vielen achtsamkeitsbetonten Jahresrückblicke, das Neumondwünschen, das Manifestieren von Gedanken, Meditationen und hundert gute Tipps für ein besseres und erfolgreicheres Ich, die mir gerade 24/7 auf Instagram begegnen, öden mich so an. Nicht, weil ich es besser weiß, du liebe Güte, schön wärs, sondern weil ich mir wirklich wünsche würde, dass wir alle einfach mal lockerlassen könnten. Nicht jede Begegnung, jede Erinnerung, jeden Streit, jede Diskussion und jeden kleinen Wunsch bis auf die Knochen durchzuanalysieren, in Dankbarkeit zu ertränken, nur um dann wieder voller Happiness ins nächste Abenteuer zu rauschen, sondern ok damit zu sein, dass das Leben wortwörtlich kein Wunschkonzert ist. Das ist nichts schlimmes, das ist auch nicht unnormal und liegt daran, dass man sich wohl nicht genug anstrengt oder nicht genug gegeben hat oder nicht fest genug an sich glaubt, sondern weil das Leben so ist. Und das ist ok.

Daily Malina | Schanze | Mamablog

 

Zuhause

Ihr kennt unsere Wohnungsodyssee und der bloße Gedanke an das viele Pech, das uns seit über einem Jahr verfolgt, macht mir direkt schlechte Laune. Wir haben wirklich versucht, uns in unsere neue Wohnung und das neue Viertel zu verlieben und ich bin ehrlich, es hat bis heute nicht mit uns geklappt. Wir haben uns jetzt einfach damit abgefunden, dass es wieder nur eine Station für uns ist, wieder keine langfristige Lösung, wieder nur ein Kompromiss auf dem Hamburger Wohnungsmarkt und es nervt gerade so, so sehr. Neben den wirklich schönen Features der Wohnung, gibt es einfach zu viele Baustellen, die Zeit und Geld fressen, weswegen wir schlussendlich beim Mieterschutz landeten, um dieses Problem nicht mehr alleine lösen zu müssen. Es ist sauanstrengend, sich neben dem normalen Alltagswahnsinn noch mit solchen Themen auseinanderzusetzen, aber auch das werden wir schon irgendwie hinter uns bringen.

Wir könnten natürlich sofort ausziehen und das Theater beenden, aber ich will keine Zwischenlösung mehr, echt nicht. Wir machen uns deswegen eigentlich jeden Tag Gedanken darüber, wie wir wohnen wollen, welche Kompromisse wir verschmerzen könnten, welche Kosten wir mal ganz realistisch auf uns nehmen können und ob das Großstadtleben für uns auch langfristig noch wirklich Sinn macht. Und da sind wir auch schon bei unserem Hauptproblem, denn wir lieben es so sehr in Hamburg, dass es für uns gerade nicht vorstellbar ist, rauszuziehen. Wohin auch? 2019 muss auf jeden Fall eine Wohnveränderung passieren, das ist nicht nur ein Wunsch, sondern eine absolute Notwendigkeit und ich hoffe, hoffe, hoffe, dass wir ein schönes Zuhause finden.

Familie

Wir sind mit ganz schön vielen Kita-Krankheiten ins letzte Jahr gestartet und haben das dicke Ende im April gekriegt: Krupphusten. Unser Urlaub in der Toskana stand schon auf der Kippe, aber Henry hat sich zum Glück erholt und die Auszeit unter der italienischen Sonne hat uns allen so gut getan. Wir hatten einfach die beste Zeit, waren auf lokalen Märkten einkaufen, haben unfassbar viel Burrata und Pasta geschlemmt und uns in unser kleines Häuschen zwischen den Weinbergen verliebt. Ich glaube, das war die Geburtsstunde von meinem Wunsch nach einem eigenen Garten, weil es einfach unbeschreiblich schön war, den ersten Kaffee des Tages auf der Terrasse zu trinken und Henry dabei zu beobachten, wie er den Ameisen einen guten Morgen wünschte.

 

Natürlich bleibt der Urlaub auch deswegen so besonders für uns, weil Alex mir einen Heiratsantrag gemacht hat und ich bei dem Gedanken daran immer noch alle Gefühle fühle. Es hat uns so umgehauen, wie emotional dieser Moment für uns war, obwohl wir schon so lange zusammen sind. 2018 war unser Liebesjahr und jetzt, wo ich das schreibe, könnt ich heulen, weil es das wirklich war. Und damit das für immer so bleibt, haben wir den Knoten zugezogen und im November im kleinsten Kreis standesamtlich geheiratet. Ich trage einen Ehering, ich hab einen neuen Nachnamen und ich bin einfach nur glücklich.

Hochzeit Daily Malina

Der ein oder andere von euch erinnert sich an meinen Post vom letzten Jahr, in dem ich vorsichtig andeutete, dass wir uns langsam mit dem Gedanken an ein zweites Kind anfreunden können. Das war vor fast 12 Monaten. Und hier sind wir, immer noch zu dritt. Das ist kein Drama, ich bin darüber nicht traurig, es ist auch nichts Tragisches passiert, es hat einfach nur nicht geklappt. Das nimmt dem letzten Jahr trotzdem nicht seinen Zauber, weil mich diese kleine Familie, mein Mann und mein Kind, bis in meine kleinste Zelle glücklich machen. Wir sind einfach so ein gutes Team, sind in den letzten Jahren so eng zusammengewachsen und unser Familienalltag fühlt sich für mich keinen Moment nach Verzicht an. Ich vermisse nichts.

 

Arbeit

Es tut gut, einen Blick zurück zu werfen, um zu erkennen, dass man nicht nur auf der Stelle getreten ist, so fühlte sich das in den letzten Wochen nämlich oft für mich an. Ich fühlte mich oft ausgebremst, gestresst, überfordert mit den vielen Stellschrauben der Selbstständigkeit und viel zu vertieft in unsichtbare Arbeit, die unfassbar viel Zeit kostet, aber gemacht werden muss.

Das letzte Jahr war voller Ups ans Downs und ich bin sicher, dass jeder Freiberufler diese Höhen-und Talfahrten kennt. Ich hab mich im April entschieden, wieder mehr Zeit in eigene Herzensprojekte, eigene Produktionen und in meinen eigenen Blog zu stecken. Das ist nicht von heute auf morgen passiert, sondern zeichnete sich schon seit Wochen ab. Ich konnte mich mit den Inhalten und der Art der Zusammenarbeit in meinem alten Team nicht mehr identifizieren, also haben wir das einzig vernünftige gemacht und uns getrennt.

Die Entscheidung, mich als Konzepterin und Bloggerin auf den Markt zu schmeißen, ist mir unheimlich schwer gefallen. Ich wollte es zumindest versuchen und so gut es geht dem typischen Elternfrust, immer nur zwischen Arbeit und Familie zu jonglieren, entwischen. Deswegen war ich super happy darüber, dass Ivy und ich gemeinsam unser Elternmagazin „Großstadtmamas“ gegründet haben: Doppelte Ideen, doppelte Kapazitäten, doppelter Spaß an der Sache. Ich wollte nich einfach nur in der Blogger-und Instagramblase hängen bleiben, im Zentrum immer nur ich und meine kleine Welt, sondern etwas auf die Beine stellen, das mich wirklich zum Arbeiten inspiriert, einen Mehrwert bietet und wachsen kann. Wir sind im Juni online gegangen, ohne großes Konzept, ohne Businessplan und haben so viel Rückmeldung und positives Feedback bekommen, wofür wir von Herzen dankbar sind. Wir waren seit dem ersten Monat rentabel, was uns natürlich darin bestärkt, dass das, was wir uns zwischen kaltem Kaffee und Spielplätzen überlegt haben, Sinn macht. Das Gute an all diesen Veränderungen ist, dass man unweigerlich daran wächst und das bin ich in diesem Jahr wirklich…

Daily Malina | Wohnung | Altbau HAmburg

Persönlich

Puuuh. Ich bin froh, dass ich immer wieder mal einen Blick zurück gewagt habe, um zu erkennen, dass ich vielleicht nicht in meinem Wunschtempo, aber zumindest in kleinen Schritten vorwärts gegangen bin. Das ist das größte Learning für mich gewesen, so anstrengend, aber so wichtig: Geduldig sein, abwarten, nachdenken, weniger reden. Ich hab früher immer gedacht, meine große Stärke wäre, direkt zu reagieren, viel zu fühlen, viel zu sagen, Situationen sofort anzusprechen, gar nicht erst komisch werden lassen. Was ich deswegen erst spät gelernt habe, dass alles sofort in 1000 Worte zu packen überhaupt nicht notwendig ist. Abwarten heißt nicht feige sein, erstmal sacken lassen nicht, sich aus der Verantwortung zu nehmen, leise bleiben nicht, dass man nichts zu sagen hat. Ich hab in den ersten Monaten des Jahres viel, viel abgewägt, bin oft leise geblieben, hab mich an meine Grenzen herangetastet und dann gelernt, Entscheidungen in meinem Interesse zu treffen. Für mich, für mein Glück, für meine Beziehungen. Gesunder Egoismus, ich glaube so nennt man das, das hab ich in 2018 gelernt.

Landliebe | Mamakolumne Daily Malina | Danke, Henry!

Außerdem haben mich meine beruflichen Entscheidungen mutiger gemacht, weil sich nichts bewegt, wenn ich es nicht tue. Ich musste lernen, über den Tellerrand zu schauen, meine und die Bedürfnisse anderer auf eine Linie zu bringen, Verständnis zu haben und Verständnis einzufordern. Sein lassen, was ich nicht ändern kann, anpacken, was ich ändern kann.

Ich konnte auch nicht umhin, mich wieder mehr mit den Themen Nachhaltigkeit, Gesundheit und Ernährung zu beschäftigen. Wir haben viele blöde Angewohnheiten geändert (keine Tüten, keine Pappbecher, keine Frischhaltefolie, keine Strohhalme, weniger Verpackung, kein abgepacktes Fleisch, weniger Verschwendung) und tasten uns im nächsten Jahr auch als Familie an eine ausgewogene, pflanzliche Ernährung heran. Ich esse schon seit Monaten kaum noch Fleisch, bin jetzt aber wirklich endgültig durch damit und hoffe, das wir das als Familie gut hinbekommen. Außerdem mach ich seit knapp 3 Monaten 2x pro Woche Pilates und fühl mich so, so ausgeglichen und gut seit dem, dass ich mich jedes Mal auf meine kleine „Auszeit“ freue.

2018 war ein gutes Jahr. Es hat mutig und müde gemacht. Und deswegen ist auch total ok, dass es jetzt vorbei ist und wir in weniger als 24 Stunden schon mitten im neuen Jahr stecken.

Happy, happy new year!

Familienshooting mit Jana Richter | Familienbilder

5 thoughts on “Zwischen den Jahren

  1. Katharina

    Was für ein toller und ehrlicher Rückblick <3

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  2. Katrin

    Ein toller Jahresrückblick, danke für die schönen und ehrlichen Worte!

    Antworten

  3. Alexandra

    Vielen Dank fürs Teilen deiner Gedanken und Erlebnisse! Ich liebe deinen Blog und alles, was du schreibst und bei Insta teilst!

    Ein ganz tolles und gesegnetes neues Jahr wünsche ich dir!
    Alexandra

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  4. kathi

    danke für den ehrlichen und tollen rückblick. ich lese deinen blog unheimlich gerne!
    alles liebe für 2019!

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  5. Julie

    Sehr schöner persönlicher Rückblick und ich wünsche dir und deiner kleinen tollen Familie ein grandioses neues Jahr!

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