1000 Fragen an dich selbst #11

Über Glück und Streit

Lange, lange gab es keine 1000 Fragen mehr, dabei finde ich das Format eigentlich so toll. Durch den Launch von Großstadtmamas und den unfassbar langen und heißen Sommer waren Eiskaffee und Familienfreundedates immer die bessere Option, als den Abend am Laptop zu verbringen. Wir sind jetzt die erste Woche wieder zurück im Flow mit Kita-Kind, mit Arbeitsalltag und Homeoffice, langsam pendelt sich hier wieder alles ein und ich versuche einfach mal, die 1000 Fragen wieder in regelmäßigen Abständen zu beantworten.

Heute haben die Fragen es wirklich in sich, ich hab den Beitrag hier sehr gern geschrieben. Es geht um Glück, um zerbrochene Freundschaften, um Streit und Stress und es war eine schöne kleine Erfahrung, diese Fragen zu beantworten.

1000 Fragen an mich selbst #11

201: Wie gut kennst du deine Nachbarn? 

Nicht so gut. Manchmal bin ich ganz froh über die Anonymität, die das Leben in der Großstadt ja auch irgendwie mit sich bringt, aber wenn ich daran denke, wie oft ich früher bei Nachbarn zu Abend mitgegessen habe, nach der Schule meine Hausaufgabe im Nachbarsgarten gemacht hab oder meine Eltern einfach mal auf ein Glas Wein rübergegangen sind, muss ich sagen, fehlen mir so ein paar richtig nette Nachbarn schon. Wir haben drei kurze schöne Monate direkt neben unseren besten Freunden gewohnt und das war so mit das Schönste, was ich mir für unsere Zukunft wünschen würde, wegen uns, wegen der Kinder…das hat sich richtig gut angefühlt.

202: Hast du oft Glück? 

Ich glaube wirklich, dass Glück auch mit der eigenen Sichtweise auf Dinge, vor allem auf das Leben zu tun hat. Ich schätz mich und mein Leben als sehr gesegnet und privilegiert ein, es gibt weniges, über das ich mich wirklich ernsthaft beschweren könnte. Wenn Wege oder Situationen doof gelaufen sind und sich im ersten Moment als Unglück angefühlt haben, wusste ich meistens innerlich, dass ich mit Vollkaracho darauf zugesteuert bin und es eigentlich besser hätte wissen müssen. Ist aber nicht schlimm, weil jeder Weg, jeder Umweg, jeder Mensch, jeder Streit, alles was gut oder zehrend und anstrengend war, ist am Ende so ganzheitlich mitverantwortlich für mein inneres Glück.

Glück ist für mich nicht die Abwesenheit von Traurigkeit oder Sorgen und Zweifeln, sondern eine innere Zuversicht und eine Anerkennung dessen, was mein Leben lebenswert und schön macht.

203: Von welcher Freundin unterscheidest du dich am meisten?

Luise und ich lachen immer darüber, wie unterschiedlich wir sind und wie sehr wir uns trotzdem lieben. Wir leben wirklich sehr, sehr unterschiedlich, haben sehr verschiedene Zukunftsvisionen, aber sind uns im Herzen trotzdem so nah.

204: Was machst du anders als deine Eltern? 

Alles. Ich reflektiere wirklich viel, das Verhalten von anderen und mein eigenes und wenn ich früher schon eine Sache genau wusste, dann, dass ich Elternschaft anders für mich definiere. Alex und ich sehen das sehr ähnlich, deswegen fällt es uns zum Glück nicht so wahnsinnig schwer, uns von anerzogenen Mustern zu befreien, aber ich hätte mir für mich und mein inneres Kind gewünscht, dass meine Eltern näher und liebevoller an mir dran geblieben wären. Was nicht heißen soll, dass meine Eltern nicht absolut leidenschaftliche und sich kümmernde Eltern sind, bis heute und ich weiß, dass wir uns aufeinander verlassen können, aber es gab sehr, sehr viel Konfliktpotential in meiner Jugend, was ich lange verarbeiten musste.

205: Was gibt dir neue Energie? 

Gute Gespräche, ruhige Tage mit meiner Familie, Freundinnendates, Dates mit meinem Baldmann, Erfolgsmomente im Beruf und Matcha Latte.

206: Warst du in der Pubertät glücklich? 

Nein, ich glaube das würde ich nicht sagen. Ich war vor allem innerlich zerrissen, habe mich selten leicht oder albern gefühlt, war sehr unsicher und bemüht. Ich war ein „good girl“, wirklich, ich würde mir eine Tochter wie mich wünschen und es hat mich so unglücklich gemacht, dass ich nie gut genug war. Irgendwann wollte ich einfach nur noch frei sein, ausbrechen. Ich hab Alex kennengelernt als ich 15 Jahre alt war, das war mein Schicksal und hat so viel Gutes in mein Leben gebracht.

207: Wann hast du zuletzt eine Nacht durchgemacht? 

Gar nicht so lange her, das war vor ein paar Monaten, als ich auf einer Hausparty von Luise war und danach mit einer Handvoll Menschen, die sich dort kennengelernt haben, weiter auf den Kiez gefahren bin, um dann stundenlang zu tanzen. Egal wie müde ich am nächsten Morgen war, hat sich die Nacht gelohnt.

208: Womit beschäftigst du dich am liebsten in deinen Tagträumen? 

Immobilien und Reisen. ;)

209: Blickst du dich oft um? 

Ich werde so oft von Alex ausgelacht, das ist mittlerweile unser Running Gag, weil ich NICHTS mitbekomme. Wirklich, vor mir könnte das absolute Chaos ausbrechen und ich würde in Gedanken die nächste Mail formulieren. Wenn ich mit Henry draußen bin, versuche ich wirklich, im Hier und Jetzt zu bleiben, die Natur und Umgebung intensiver aufzunehmen, aber es liegt nicht so wirklich in meiner Natur…

210: Was wissen die meisten Menschen nicht über dich?

Ich habe sehr lange für den Eignungstest für ein Musikstudium geübt, sogar noch Klarinette gelernt (und viel Geld ausgegeben), um dann doch in letzter Sekunde aus Angst zu scheitern abzusagen. Story of my life.

211: Worüber hast du mit deinem Partner immer wieder Streit? 

Wir werden eigentlich immer besser darin über Alltagssorgen zu sprechen und Probleme nicht direkt persönlich zu nehmen. In der ersten Zeit nach Henrys Geburt fiel mir das sehr schwer, weil ich mich immer mit allem alleine gelassen gefühlt hab und mir total der Blick dafür gefehlt hat, wie es bei meinem Partner aussieht. Mittlerweile streiten wir eher über Zeitmanagement, manchmal leider auch über Geld und Quatsch, weil einer von uns schlecht gelaunt ist.

212: Worauf freust du dich jeden Tag? 

Auf meine Arbeit und wenn Henry und ich abends noch ein bisschen Mama-Sohn-Zeit haben und zusammen ins Bett gehen. Es ist und bleibt einfach das schönste Gefühl, wenn das eigene Kind sich immer noch bei Mama und Papa am sichersten fühlt und entspannen kann.

213: Welche Freundschaft von früher fehlt dir? 

Natürlich gibt es Freundschaften, die unter die Haut gehen. Es kommt wirklich nicht oft vor, dass ich mich fallen lasse und öffne und wenn so eine intensive und innige Freundschaft auseinander geht, ist das wie eine schlimme und traurige Trennung. Ich hab früher manchmal gedacht, man könnte diesen Bruch bestimmt irgendwie kitten, aber meistens wächst man in so schweren Phasen auch aus eben diesen Freundschaften raus. Dann einfach wieder zusammen zu sein und sich über das Leben zu unterhalten, gerade wenn etwas schmerzhaftes vorgefallen ist, wird der ehemaligen innigen Bindung einfach nicht gerecht. Ich bewahre mir die besonderen Erinnerungen auf, die kann mir ja kein Streit oder Bruch nehmen und behalte jede Freundin, die keine mehr ist, trotzdem in meinem Herzen.

214: Wie gehst du mit Stress um? 

Es gibt für mich ganz verschiedenen Stress. Stress bei der Arbeit treibt mich meistens an, gibt mir Energie, macht mich richtig produktiv. Stress zuhause kann ich auch ganz gut regeln, weil ich meistens weiß, wie ich es schnell und einfach auflösen kann. Stress in persönlichen Beziehungen macht mich krank, wirklich, ich habe dann wochenlang Migräne, mag morgens nicht aufstehen, nicht essen, keine Musik hören und nicht reden. Meistens hilft ein gutes Gespräch mit einer Freundin, manchmal ein wenig Meditation oder ruhige Momente, manchmal auch, da in sich reinzuhören, wo es am meisten weh tut, um den Knoten zu lösen und sich ehrlich mit einer bestimmten Problematik zu befassen. Mittlerweile weiß ich, dass ich gerade in Stresssituationen nicht prokrastinieren und To-Dos auf den nächsten Tag schieben darf, sondern liebe Miniminischritte gehe, um irgendwie in Bewegung zu bleiben. Wenn ich den Überblick verliere, mache ich mir Listen und meistens sieht das Chaos in meinem Kopf dann auch schon wieder geordneter und machbar aus.

215: Gibst du dich gelegentlich anders, als du bist? 

Ich glaube, ich bin an sich schon eine recht „dolle“ Person: ich rede viel, ich lache viel, ich kann schlecht schauspielern und geb mich eigentlich wirklich immer wie ich bin.

216: In welchen Punkten gleichst du deinem Vater? 

Wir sind super musikalisch, von meinem Papa hab ich die Liebe zur Musik geerbt. Und wir sind Herzmenschen, denken beide zu viel nach, können uns manchmal in den vielen Gefühlen verlaufen, sind liebevoll, ehrlich, manchmal anstrengend und manchmal unvernünftig.

217: Kann man Glück erzwingen? 

Nein, aber man kann es lernen.

218: Welcher Streittyp bist du? 

Früher konnte ich wirklich gut streiten, ich hab die richtigen Worte gefunden, hatte keine Angst vor Konflikten und hab den Ärger von anderen auch ganz gut auffangen und damit umgehen können. Irgendwie ist meine Streitkompetenz flöten gegangen. Ich gehe schwierigen Gesprächen jetzt nicht zwingend aus dem Weg, aber wenn ich das Ergebnis der Diskussion absehen kann, versuche ich mich nicht so stark einzubringen. Ich halte mich mehr zurück, was wirklich untypisch für mich ist, aber mir geht es damit so viel besser und meine Beziehungen sind in jeder Hinsicht daran gewachsen. Meistens entspringt Streit aus verletzten Gefühlen, zumindest das hab ich gelernt und deswegen bin ich offen für jedes ehrliche und gut gemeinte Gespräch, aber nicht mehr offen für jede Kritik.

219: Bist du morgens gleich nach dem Aufwachen richtig munter? 

Ne, ich bin kein Frühaufsteher und brauche immer meine zwei Momente, um wach und klar zu werden. Dazu gehört eine kurze Dusche und ein großes Glas Wasser…

 

220: Wie klingt dein Lachen? 

Laut und ich lache immer mit offenem Mund.

 

Hier findet ihr meine anderen Beiträge aus der Reihe „1000 Fragen an dich selbst“:

Teil #1 Fragen 1-20

Teil #2 Fragen 21-40

Teil #3 Fragen 41-60

Teil #4 Fragen 61-80

Teil #5 Fragen 81-100

Teil #6 Fragen 101-120

Teil #7, 8, 9 Fragen 121-180

Teil #10, Fragen 181-200

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