Zwischen machen lassen und Panik schieben

Über Risikokompetenz und Gefahrenbewusstsein mit Kleinkindern

Wir sind gerade mal seit 30 Sekunden draußen, da wird meine Mutter schon nervös. Sie fällt fast in einen Laufschritt, immer direkt hinter Henrys Hinterrad und ich bemerke den ängstlichen Unterton in ihrer Stimme, als 50m vor uns eine befahrene Straße und Ampel auftauchen. Meine Mama ist für ein paar Tage zu Besuch und Henry möchte ihr unbedingt sein Laufrad zeigen, also gehen wir zusammen unsere typische Abendrunde: in den Supermarkt auf der Schanze mit einem kleinen Umweg über den Spielplatz und zurück nach Hause. Wir zu Fuß, Henry mit seinem Laufrad und wusch, der düst schneller an uns vorbei in Richtung Hauptstraße als wir gucken können.

„Heeenry!“

„Puuuh, bist du schnell!, du musst ein bisschen langsamer fahren, hier fahren ganz viele Autos!“ Sie ist außer Puste, hält den Meckerfinger hoch und schiebt noch ein „Nein, nein, nein“ hinterher. An uns beide übrigens. Von ihm kommt nur ein fragender Blick, er versteht das Problem gar nicht. Die Ampel ist rot und rot heißt Stop, erklärt er ihr. Und sie kann nicht fassen, dass ihr ein zweijähriges Kind gerade erklärt, dass man bei roter Ampel sowieso nicht über die Straße gehen darf. Naja und ich bekomme eine Rüge dafür, dass ich mein Kind überhaupt so schnell fahren lasse, das sei ja viel zu gefährlich.

Wir müssen uns doch nichts vormachen, Geschwindigkeit auf dem Fahrrad macht halt erst so richtig Spaß, da gehts Kindern nicht anders als uns. Ich wünsch mir natürlich, dass Henry seine Abenteuerlust und seine Freude am Radfahren nicht verliert, und will ihn deswegen nicht ständig anmeckern, hinter ihm herrufen oder panisch hinter ihm herrennen, weil das die Situation für uns wohl kaum entspannt. Ich will aber auch, dass er den Verkehr in Hamburg heil überlebt, also arbeiten wir täglich und unnachlässig daran, dass Henry grundlegende Verkehrsregeln lernt. Das Schöne ist ja: Kinder lernen superschnell! Das Nervige: Gerade beim Thema Verkehr gibt es keine Kompromisse, also dürfen wir auf keinen Fall locker lassen.

Gefahrenbewusstsein stärken?

Gefahren im Alltag lassen sich einfach kaum vermeiden und gerade der Großstadtverkehr kann eine richtige Herausforderung sein. Was ich erst heute dank der AXA Kindersicherheitsinitiative gelernt habe: Kinder entwickeln erst ab ca. vier Jahren ein Bewusstsein für Gefahren, was aber noch lange nicht bedeutet, dass sie sich auch davor schützen können. (Link)

Für uns ist wichtig, unsere Sorgen oder Ängste nicht auf Henry zu übertragen. Wir wollen ihn nicht in Watte packen, aber auch keiner vermeidbaren Gefahr aussetzen. Deswegen ist wichtig, dass wir die Situation für ihn einschätzen und ihn beim Lernen begleiten, dass er sich trauen und auch mal Gas geben darf, wenn gerade richtig viel Platz auf dem Gehweg ist, aber ihn auch dafür zu sensibilisieren, wann er abbremsen oder stehen bleiben muss. Bei einem zweijährigen Kleinkind sprechen wir hier natürlich nicht von komplexen Verkehrsregeln, sondern z.B.davon, immer einen Helm aufzusetzen, vom Erkennen von Ampelfarben (Rot heißt Stop, Grün heißt Fahren!), den Fahrradweg freizuhalten (da fahren die großen Fahrräder) und auch Leuten am Schulterblatt nicht in die Hacken zu fahren. Henry darf sich im sicheren Rahmen ausprobieren und das führt zwangsläufig auch mal dazu, auf Schotter auszurutschen und sich die ersten Schürfwunden am Knie zuzulegen oder auch zum mega Erfolgserlebnis, wenn die schwierige Abfahrt vom Hügel klappt. Die Glücksgefühle und Schmetterlinge im Bauch entschädigen auf jeden Fall für fiese kleine Beulen und blaue Flecken. Und hey, wenn man zwei Jahre alt ist, sehen Knie mit bunten Pflastern eh besser aus!

Unsere ersten Schritte zum sicheren Laufradfahren mit Kleinkind:

-immer einen Helm tragen

-lernen von Ampelfarben, das klappt spielerisch und überall (im Auto, im Kinderwagen, zu Fuß)

-auf Augenhöhe erklären, warum eine Situation gefährlich war (nicht von oben herab schimpfen, dabei fühlt sich jeder doof)

-vermeiden des Fahrradwegs (besonders in Großstädten)

-an jeder Straße anhalten und nach einem Auto schauen

-keine Ausnahmen machen

-Pssst: Passend zum Thema Straßenverkehr könnt ihr hier noch mehr nachlesen: Link

 

Unser Stadtkind #ichkanndasschonalleine

„Er ist ein richtiges Stadtkind, ich fasse einfach nicht, wie selbstbewusst und entspannt er sich hier durch die Menschen bewegt.“ Zurück zuhause plumpsen wir alle aufs Sofa und naschen getrocknete Mango. Ich empfinde das als riesengroßes Kompliment von meiner Mama, genau daran arbeiten wir hier jeden Tag. Natürlich ist das anstrengend, natürlich wäre es einfacher, Henry in den Kinderwagen zu setzen und entspannt einkaufen zu gehen. Aber uns ist so wichtig, dass Henry stark und selbstbewusst wird, in kleinen und großen Dingen lernt, dass er schon eine ganze Menge alleine kann und auch super hinbekommt. Und wenn nicht, dann sind wir da, helfen, nehmen auf den Arm, pusten und trösten.

Über die AXA Kindersicherheitsinitiative

Die AXA Kindersicherheitsinitiative wurde 2013 mit dem Ziel gegründet, zum sicheren Aufwachsen von Kindern beizutragen. Eltern werden rund um den sicheren Familienalltag informiert, erhalten gute Tipps und Informationen, Risiken zu erkennen und zu bewerten. Kinder sollen zwar nicht in Watte gepackt werden und kleine Beulen gehören ja auch irgendwie dazu, aber große Gefahren gilt es unbedingt zu vermieden! Dabei das richtige Maß zu finden, ist wohl eine der großen Herausforderungen des Elternseins.

Bei der AXA Kindersicherheitsinitiative handelt es sich um ein gesellschaftliches Engagement der AXA. Es geht um den Austausch mit Eltern, um Informationen und Ratschläge, um das Familienleben sicherer zu gestalten (hier gehts zur FB Seite der Initiative).

Dieser Beitrag ist in freundlicher Zusammenarbeit mit der AXA Kindersicherheitsinitiative entstanden. 

 

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