15 Jahre zusammen

Über authentische Liebe und gemeinsames Erwachsen werden

Wir hatten am Mittwoch unseren Jahrestag. Unseren 15. Jahrestag. Das ist schon eine ganze Weile und vor einigen Wochen, als ich kurz vor meinem 30. Geburtstag ein wenig nostalgisch wurde, fiel mir auf: Wir haben eine magische Grenze erreicht. Ich bin mein halbes Leben mit Alex zusammen. Mit jedem neuen Jahr oder Monat oder Tag sind wir länger zusammen als alleine auf dieser Welt unterwegs und der Gedanke daran ist irgendwie unheimlich romantisch, finde ich. Dabei sind wir keine großen Romantiker, sondern einfach nur schwer verliebt ineinander.

Stier und Waage

Alex und ich sind ein gutes Match. Wir sind sehr, sehr unterschiedliche Menschen, aber seit wir uns über den Weg gelaufen sind, ergänzen wir uns perfekt, sind ein wirklich gutes Team und immer lieber zusammen als alleine. Wenn man so lange ein Paar ist und vor allem zusammen erwachsen wird, erlebt man automatisch andere Höhen und Tiefen und definitiv eine Menge Zweifel, ohne sie wirklich greifen und verstehen zu können. Dazu gehören neben viel Leidenschaft auch jede Menge Kackgefühle, die einen unsicher machen und die Beziehung aus dem Gleichgewicht bringen können.

Ich kann sogar verstehen, dass die meisten Paare diese anstrengende „Erwachsen-werden-Phase“ nicht miteinander überstehen, sondern mittendrin abbrechen und getrennte Wege gehen. Das sage ich überhaupt nicht wertend, ich weiß einfach aus eigener Erfahrung, wie schwer es sein kann, beinander zu bleiben, obwohl man füreinander brennt. Oder eben zu wachsen, über sich selbst und aus einer Beziehung heraus zu wachsen, die einem nicht mehr so richtig passt.

Sich selbst und seinen Platz in dieser Welt zu finden, Gefühle zuzulassen, sich auf jemanden einzulassen oder zu verlassen, alleine sein, alleine bleiben, zusammen sein, zusammen bleiben, das sind unheimlich komplexe Prozesse und Entwicklungen, ganz egal wie alt man ist. Als junger Erwachsener kann einem das Gewicht dieser Entscheidungen aber schon mal die Luft abschnüren. Und es ist ok, sich manchmal davon erdrückt zu fühlen oder überfordert zu sein, das ist Teil unseres Lebens, zu lernen, wie man glücklich wird und wie man gesunde Beziehungen führt, die stark und frei machen. Ich weiß, dass es irgendwie sehr rational klingt, in Sachen Liebe gute oder kluge „Entscheidungen“ zu treffen, aber nach meinem Verständnis ist Liebe und Freiheit zum größten Teil selbstbestimmt. Wir haben das Glück, einander gefunden zu haben und viele, viele Entscheidungen für uns selbst und füreinander getroffen zu haben, die gut waren.

 

Miteinander erwachsen werden, sich immer wieder füreinander entscheiden

Wenn ich zweifelte, dann nicht an unserer Liebe, sondern daran, wie mein Ich und unser Wir sich in dieser Beziehung ausbalancieren können. Wir haben uns in den letzten 15 Jahren tausend Mal füreinander entschieden. Für das Gefühl, morgens nebeneinander aufzuwachen, zusammen ins Nudelregal zu greifen, für gemeinsame Träume und die überwältigende Euphorie, wenn sie wahr werden. Wenn ich sage, dass unsere Liebe, unsere Zuneigung, unsere Vertrautheit füreinander und zueinander gewachsen ist, dann nicht aus einer Verträumtheit heraus, über den Punkt sind wir schon hinaus. Ich fühle das alles so sehr, jede gute und schlechte Phase hat uns hierher gebracht, zu unserer Familie, zu unserem Sohn, zu unserem Leben, das wir uns aus bloßen Träumen aufgebaut haben.

Authentisch lieben

Für mich heißt eine authentische Beziehung zu führen auch, sich von Erwartungen und Klischees frei zu machen. Uns hat es sehr gut getan, uns aus dem unmittelbaren Radius gewisser Menschen heraus zu bewegen, die Druck auf uns ausgeübt und unsere Beziehung nicht verstanden haben. Der Schritt fühlte sich damals schwer an, aber ist wahrscheinlich der Grund, warum wir heute noch zusammen sind. Je mehr Ehrlichkeit wir voreinander zugelassen haben, desto weniger Angst hatten wir davor, uns echt und authentisch innerhalb unserer Beziehung zu bewegen. Mutig zu sein. Mit Fehlern, mit Unsicherheiten, mit Problemen und Sorgen, die man eigentlich lieber nicht ausspricht, weil sie dadurch so schrecklich real werden. Irgendwie passieren komische Dinge, wenn man sich vor einem geliebten Menschen erlaubt, schwach zu sein: Man wächst ganz nah zusammen, schafft mehr Nähe, macht sich nackt, zeigt sich verletzlich, kann loslassen, kann geben, kann nehmen.

Ich habe immer an uns festgehalten, weil es für mich am Ende jeder Unsicherheit, jeder zu Ende überlegten Möglichkeit nur eine Option gab und die war, mit dem Menschen mein Leben zu teilen, der mein Innerstes kennt, mich liebt, mich frei sein lässt und festhält. Und den ich liebe, dem mein Herz gehört, dem ich ohne Angst jede Version von mir zu Füßen legen kann. Wir sind nicht Feuer und Wasser oder Sturm und Fels, wir geben einander Halt und wir machen einander wahnsinnig. Wir sind beide beides, rational und sinnlich, ängstlich und stark, Hände suchend und Hände reichend.

Ich glaube, es gibt viele Gründe für Menschen zusammenzubleiben und ich will gar nicht darüber urteilen oder ausdiskutieren, ob mir jeder dieser Gründe gefällt oder nicht. Ich weiß nur, dass ich nichts anderes leben könnte als eine echte, authentische, liebevolle Beziehung, die mich innerlich bewegt und die mein Zuhause ist. Wir haben es uns nicht gemütlich in dieser Beziehung gemacht, sondern justieren immer noch an alles möglichen Stellen nach, hinterfragen, streiten und finden nicht immer die perfekte Lösung. Wir haben immer noch unsere Reibungspunkte oder Diskussionsherde und ich muss ehrlich sagen, dass beruhigt mich sogar. Wir haben uns immer noch so viel zu sagen, haben immer noch so viele Pläne und Träume, wissen beide, wie wichtig unser eigener Frieden ist, um das Glück miteinander zu erkennen und zu fühlen.

Diese Beziehung lebt natürlich nicht von mir und meinen gefühlten Weisheiten, wir sind ein Team. Ich weiß, dass Alex ähnlich gedacht und gefühlt hat, ähnliche innere Zweifel hatte. Aber anstrengende Phasen bedeuten fast immer Wachstum und wachsen ist gut, auch wenn es sich schwer anfühlt! Das Ergebnis bedeutet nicht für jeden, dass man ein Paar bleibt, nur weil es bei uns so war. Aber vielleicht doch, wenn man gemeinsam durch den Sturm geht und sich festhält.

Also, wie jetzt..?

Wenn ich dir also einen „Ratschlag“ geben kann, dann vielleicht das hier: Sei authentisch mit deinen Gefühlen, erkenne dein Innerstes an, finde Gutes und Frieden in dir selbst, um es zu teilen, um jemanden zu tragen und dich tragen zu lassen. Niemand muss perfekt zu sein, um jemanden wirklich innig lieben zu können, aber um diese Person von Herzen anzunehmen, zu vergeben und seinen Partner zu respektieren (der so ganz anders als man selbst ist, sein kann), ist die Verbindung zu sich selbst ganz sicher der Schlüssel zum Glück. Und wenn du diesen Menschen gefunden hast, dann SAG es ruhig immer wieder, ZEIG demjenigen, was er dir bedeutet, STEH zu dieser Person, HALT ihm den Rücken frei und LASS dich festhalten.

3 thoughts on “15 Jahre zusammen

  1. Yasmin

    So ein wunderschöner Post mit so vielen wichtigen Gedanken rund um Beziehungen. Für mich klingt das als Außenstehende so, als hättet ihr eine für euch funktionierende ‚Formel‘ gefunden, wobei mir das Wort dafür eher missfällt. Gerade diesen Gedanken der Dynamik, des miteinander Wachsens finde ich so so wichtig. Kommunikation ist natürlich auch Key, ohne die läuft gar nichts. Mir gefällt auch immer der indirekte Vorwurf von Leuten nicht, dass Paare, die seit Schulzeiten zusammen sind, dies nur aus Gewohnheit sind. Deswegen finde ich deine Formulierung des sich füreinander Entscheidens in diversen Lebenssituationen so passend! Ganz viel Liebe für den Text ❤️

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  2. Alexandra

    Wunderschön geschrieben und ich kann dir nur zustimmen! Wir haben unseren 12 Jahrestag Ende des Monats und ich empfinde es als so großes Geschenk, auch nach dieser langen Zeit immer noch verliebt zu sein, mich von Herzen über meinen Mann zu freuen und so gerne mit ihm Zeit zu verbringen!
    Ganz liebe Grüße und auf die nächsten Liebesjahre <3
    Alexandra

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  3. Melanie

    Gerade dieses zueinander stehen ist ungemein wichtig. Gemeinsam, zusammen und dennoch frei ist immer mein Mantra. Jeder für sich und ganz viel zusammen.
    Wir sind jetzt auch bereits 12 Jahre zusammen
    Alles Liebe,
    Melli

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