10 Wochen mit Henry

Langsam wird’s unheimlich. Henry ist jetzt 10 Wochen alt, ich bin seit 10 Wochen Mama und wir wurschteln uns seit 10 Wochen so durchs frische, junge Familienleben. Es ist herrlich, ganz ehrlich. Rosarote Brille hin oder her, aber ich genieße die Zeit gerade so sehr, auch wenn mich eigentlich täglich meine Gefühle überfallen: Ich bin glücklich und stolz wie Oskar darüber, wie schnell Henry wächst, wie gut er sich entwickelt, wie er mir jeden Tag ein bisschen Babykotze um die Ohren schmiert und mich dabei anstrahlt. Das ist toll und schüttet tonnenweise Glückshormone bei mir aus. (Ja, ich gehöre jetzt zu den Frauen, die sich über Babykotze freuen können.) Tja, Sachen gibts…

Und dann ist da ein klitzekleiner Tropfen Wehmut, weil alles so blitzschnell geht und ich die Zeit manchmal am liebsten mit Händen und Füßen anhalten möchte, aber sie mir wie ein freches Rumpelstilzchen einfach davonrennt. Umso mehr erlebe ich dieses Kapitel als etwas besonders Magisches, als extrem wertvoll und würde am liebsten für immer in dieser kleinen Babyblase stecken bleiben…

HENRY

Das kleine Häufchen Baby von vor 10 Wochen, das den ganzen Tag nur in meinem Arm liegt und ein bisschen vor sich hin schnüffelt, ist aus seinem Schönheitsschlaf aufgewacht und will jetzt Entertainment! Das Programm fängt direkt morgens um 6 Uhr an, wenn der süße Mops seine Augen aufschlägt, mich sieht und anfängt zu kichern. Egal, wie kurz die Nacht davor war: Das ist der schönste Wecker, der mich je so früh aus dem Bett geholt hat! Also kuscheln wir, singen ein paar Liedchen, machen eine kleine Milchpause und schlummern dann meistens noch 1-2 Stunden weiter. Zum Glück ist Henry ein guter Schläfer und wenn ich ihn am Abend um ca. 20 Uhr ins Bett lege, wacht er meistens erst gegen 3 Uhr Nachts auf, bekommt seine Milch und schläft dann in meinen Armen wieder ein. Wenn wir also pünktlich ins Bett kommen, bekommt jeder von uns eine gute Portion Schlaf!

Da das Wetter gerade so herrlich ist, verbringen wir den meisten Tag draußen, gehen spazieren oder legen uns in den Park. Vor ein paar Wochen hat Henry noch im Kinderwagen durchgeschlafen, mittlerweile protestiert er, wenn das Verdeck zu ist und er nichts sehen kann. Er ist extrem neugierig und liebt es, seine Umgebung zu beobachten. Wenn wir durch den Park spazieren, schaut er sich stundenlang die Bäume und Büsche an, giggelt leise vor sich hin und amüsiert sich köstlich. Ich vermute mal, es sind die Bewegungen vom Wind und die satten Farben, die seine Aufmerksamkeit fangen, aber es ist wirklich zuckersüß, ihm dabei zuzusehen! Ihm ist zwar wichtig, dass Alex oder ich in der Nähe sind, aber sonst kann er sich auch ganz gut alleine beschäftigen, was ich ziemlich ungewöhnlich finde. Seine Motorik entwickelt sich auch immer besser, sieht aber noch sehr hölzern aus. Richtig zupacken kann er noch nicht, aber wir sind auf dem Weg dahin. Manchmal greift er nach seinem Spielbogen und lacht ganz überrascht, wenn er wirklich was getroffen hat und es über seinem Gesicht baumelt, aber es wirkt noch alles recht zufällig. Ich lasse ihn auch jeden Tag ein bisschen auf dem Bauch „trainieren“, damit er sein Köpfchen hebt und die Rückenmuskulatur aufbaut. Er schläft zwar super auf dem Bauch ein, aber wenn er sich anstrengen muss, wird auch schon mal laut protestiert. Naja, das gehört dazu: No pain, no gain. :-)

DAS LEBEN ZU DRITT

Alex arbeitet seit einer Woche wieder und ich bin dabei, einen funktionierenden Alltag für Henry und mich zu strukturieren. Meistens kümmert sich Alex morgens um die frische Windel und nutzt die Zeit vor der Arbeit, um ein bisschen mit Henry zu kuscheln. Ich springe währenddessen unter die Dusche und mache mich in Ruhe fertig. Das nimmt meinem Tag unheimlich viel Anspannung, weil ich mich einfach wohl, sauber und frisch fühle. Danach kümmere ich mich um ein paar To Do’s im Haushalt, mache immer wieder eine Knutsch-und Kuschelpause bei Henry und räume mir so gut es geht den restlichen Tag frei, um an die frische Luft zu gehen oder Besorgungen zu machen.

Bisher fremdelt Henry noch nicht, aber ich hab ein bisschen Angst davor, dass er in ein paar Wochen damit anfängt. Da ich seine ständige Bezugsperson bin und er fast 24h in meiner Obhut ist, hoffe ich wirklich stark, dass er sich dann auch von Alex, unseren Eltern oder einem Babysitter (aka Freunden, die dafür mit Essen und Wein bezahlt werden) beruhigen und ins Bett bringen lässt. Vor allem, weil ich gaaanz langsam auch wieder ein bisschen Zeit für mich freischaufeln möchte, um Sport zu machen oder mal einen Abend mit meinen Freundinnen zu verbringen.

Davon aber mal ganz abgesehen läuft es super zu dritt, wir sind echt ein gutes Team! Manchmal würde ich mir natürlich wünschen, dass Alex Arbeitszeiten etwas „vorhersehbarer“ wären, weil das einfach meine Planung erleichtern würde, aber so einen Unsinn kennt die Kreativbranche nicht. Pah! Geregelte Arbeitszeiten sind was für Weicheier…oder für Eltern. So langsam kann ich allerdings verstehen, warum viele Paare immer gerne davon sprechen, „dass man sich als Paar nicht aus den Augen verlieren darf“. Ich kann mir gut vorstellen, wie schnell man den Blick für den anderen verliert, wenn man nicht offen Probleme und Wünsche anspricht oder sich die Aufgaben rund ums Kind vernünftig aufteilt. Zeit für sich und als Paar fällt schnell mal unter den Tisch, wenn das Familienmanagement schlecht läuft. Ich halte viel von Gleichberechtigung und auch wenn ich gerade zuhause bin und viele Aufgaben einfach automatisch in meinen Bereich fallen, finde ich es unheimlich wichtig, dass wir uns die To Do’s so gut es eben geht aufteilen.

BODY&RECOVERY

Die Schonfrist ist um! 8 Wochen habe ich meinem Körper Zeit gegeben, um sich von den Strapazen der Schwangerschaft und Geburt zu erholen, aber nach den letzten Monaten mit Dickbauch und Schmerzen habe ich wieder so richtig Lust auf Sport und Bewegung. Ich habe meine Beckenbodenübungen geupgraded und bin auf ein leichtes (!) Home-Workout umgestiegen. Seit zwei Tagen mache ich wieder mein geliebtes „7 Minute Workout“ mit der App CARROT und starte diese Woche mit einer neuen Fitness-Routine. Mir geht es dabei nicht so sehr um mein Gewicht, sondern darum, wieder Kraft und Muskeln aufzubauen, wo keine mehr sind! Gerade mit der Muskulatur „down under“ sollte man es nicht zu leicht nehmen, das kann sich später ganz fies rächen…

Ansonsten spaziere ich immer noch mehrere Kilometer pro Tag mit dem Kinderwagen, hier wird derzeit alles zu Fuß erledigt. Schmerzen spüre ich zwar keine mehr, aber wenn ich besonders lange unterwegs war, meldet sich immer noch mein Beckenboden zu Wort. Das wird auch sicherlich noch eine ganze Weile dauern, bis hier wieder alles fest sitzt. Ach, und beim Hosenkauf habe ich jetzt mal vorsichtig die Vermutung angestellt, dass meine Hüften etwas breiter sind als vor der Geburt. Keine Ahnung, ob ich mir das einbilde, ob sich die Knochen tatsächlich irgendwie „verschoben“ haben oder ob H&M, Zara und Co. ihre Konfektionsgrößen minimiert haben, aber da ist der Wurm drin! Da hilft auch kein Luft anhalten oder Hüften kreisen, um die übliche Gr. 36 über das Becken zu ziehen, nicht mal mit 5kg weniger würde ich da reinpassen und das ist mir wirklich suspekt! Naja, das Leben geht weiter, ich wollte nur meine Feststellung mit euch teilen.

Das Stillen klappt mittlerweile auch wie am Schnürchen, wir haben aber schon knapp 5-6 Wochen gebraucht, bis wir beide uns so richtig eingegroovt haben! Mal hatte ich zu viel Milch oder Henry war zu gierig, dann hat er sich verschluckt, alles wieder ausgespuckt und das Theater war groß. Jetzt klappt aber alles und wir beide können uns mittlerweile ganz gut dabei entspannen. Henrys Mahlzeiten dauern maximal 10 Minuten, aber in der Zeit saugt er wirklich um sein Leben. Ich habe jetzt auch den Dreh raus, wieviel und was ich essen muss, damit er optimal versorgt wird und ich nicht verhungere. Ich finde es immer noch absolut unglaublich, wie viel Energie beim Stillen verbrannt wird…! Auf jeden Fall geht es mir wieder super und das ist mehr, als ich mir vor ein paar Wochen noch hätte vorstellen können.

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