In meinem Kopf

Ich habe mich einen kleinen Moment für meine Reaktion geschämt, als die beiden pinken Streifen auf dem Test immer deutlicher wurden. Dass ich nicht sofort gejubelt habe, keine Freudentränchen über mein Gesicht liefen, ich nicht heimlich in mich reingegrinst, sondern einfach nur auf dem Klodeckel saß und dachte: „Jetzt echt? So schnell geht das und dann peng, kommt das Kind, du wirst Mama…und dann?“ Es war kein negatives Gefühl, aber ich war überrascht, vielleicht sogar überrumpelt davon, wie schnell es geklappt hat und ich plötzlich mit meinem Schwangerschaftstest in der Hand nicht so recht wusste, wohin mit mir. Ich hab mich schlecht gefühlt, weil ich nicht zuerst an die kleine Eizelle in meinem Bauch gedacht habe, sondern zuerst an mich. Ich konnte es doch kaum erwarten, endlich schwanger zu werden, mit Alex eine Familie zu gründen und mein kleines Baby zu knutschen. Aber auf meinem Klodeckel hatte ich plötzlich einen Kloß im Hals: „Bin ich wirklich bereit dafür? Kann ich das überhaupt, eine gute Mama sein?“

Selbstzweifel, Angst, Unsicherheit. Ich kann gut verstehen, warum sich Mütter auf der ganzen Welt ein Leben lang mit diesem Dilemma herumschlagen. Wie gebe ich meinem Kind das Beste mit auf den Weg? Wie bringe ihm bei, selbstbewusst, voller Neugier und immer mit 1000 Fragen auf der Zunge durchs Leben zu spazieren? Wie zeige ich ihm, wie schön die Welt ist, mit ihren Geheimnissen und Überraschungen? Wie erziehe ich mein Kind zu einem guten Menschen? Und die Antwort ist eigentlich ziemlich simpel: Ich muss es vorleben.

Ich hab keine Ahnung, ob ich bereit bin, Mutter zu werden, aber ich habe im besten Fall noch 16 Wochen Zeit, mich innerlich darauf vorzubereiten. Ich versuche, meine guten Vorsätze auf ein Minimum zu reduzieren. Ich sage mir, dass sich schon alles ergeben und alles gut wird, dass wir das hinkriegen. Ich weiß, dass mein Kind ein Geschenk ist, dass ich mich glücklich schätzen darf und das tue ich. Wirklich. Aber dieser eine kleine Moment auf meinem Klodeckel – alleine in unserer Wohnung, alleine mit dem Wissen, dass wir jetzt nicht mehr alleine sind und den Rest unseres Lebens etwas ungeheuerlich kostbares beschützen müssen – der Moment hat mich umgehauen, weil er so echt und so ernst war.

Ich, Mama? Die Frage hatte etwas bedrohliches, auch wenn ich die Antwort kannte: Ja, ich kann eine gute Mutter sein, weil ich alles dafür tun werde. Ich liebe den Mops jetzt schon mehr als ich meinem kleinen Herzen je zugetraut hätte. Und ich habe den besten Mann der Welt an meiner Seite, um auf mich und auf unser Baby aufzupassen.

To be continued.

Ich teile diese Gedanken mit euch, weil ich niemandem eine „perfekte Welt“ vorspielen möchte. Nein, ich bin keine geborene Hausfrau. Ja, ich hab Angst davor, dass ich meine Arbeit vermissen werde. Und natürlich, wir freuen uns auf unseren kleinen Jungen, wirklich, mit jeder Faser. Aber wir machen uns auch Sorgen, wir haben Fragen und wir haben keine Ahnung, was auf uns zukommt…

7 thoughts on “In meinem Kopf

  1. Jassy Macchiato

    So ein schöner und ehrlicher Post. Meine kleine Tochter ist 4 Monate alt und obwohl sie ein Wunschkind ist und wir alles geplant hatten, hat mich der positive Test genauso umgehauen. Das gehört einfach dazu :) du wirst sicher eine wundervolle Mama

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    1. Regina
      regina

      Oh, lieben Dank für deine Worte! <3 Und herzlichen Glückwunsch zur Geburt deiner Tochter!

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  2. Malika

    Ich hatte es ja schon in Bezug auf dein Video gesagt. Aber deine Ängste und Zweifel machen dich doch nur mehr menschlich, um genau das, dieses Menschlichsein, deiner kleinen Zaubernuss mit auf den Weg zu geben. Niemand ist perfekt und es ist doch viel wertvoller, das auch zu reflektieren, als blind in etwas reinzustürzen. Ihr schafft das schon!♥

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    1. Regina
      regina

      Liebe Maliska,
      du, ich seh das ganz genauso! Ich hab es vorhin schon mal gesagt, aber mir ist wirklich wichtig, dass der Text nicht „missinterpretiert“ wird:
      Ich freu mich total auf das Baby! Ich glaube auch nicht, dass irgendwer jemals davor befreit sein wird, sich eben „Gedanken“ und Sorgen zu machen – das gehört dazu, wie du schon gesagt hast, und ich find es wichtig, dass wir (werdende) Mütter uns nicht selbst mit einem 24h-Happyness-Kodex unter Druck setzen :-)

      Lieben Dank für dein Kommentar und HAPPY WEEKEND!

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  3. Alexa

    Hallo Regina,

    erstmal nochmal die herzlichsten Glückwünsche zur Schwangerschaft. Ich danke dir sehr für die ehrlichen Worte, die wohl fast allen durch den Kopf gehen. Ich bin nicht schwanger und weiß auch nicht, ob ich mal Mama werden will, aber mir würden wohl genau die gleichen Gedanken durch den Kopf gehen. Ich hoffe, dass du dich nicht zu sehr von deinen Gedanken und Zweifeln verunsichern lässt, denn ich glaube sehr stark daran, dass du eine gute Mutter wirst. Man wächst mit seinen Aufgaben und ich freue mich sehr für euch.
    Liebste Grüße,
    Alexandra

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    1. Regina
      regina

      Liebe Alexandra,
      danke für dein Kommentar! Keine Sorge, ich bin überhaupt nicht verunsichert- im Gegenteil, ich bin eigentlich
      relativ entspannt und freu mich auf das nächste Kapitel! Ich wollte nur den einen Moment beschreiben, als ich
      erfahren habe, dass ich schwanger bin. :-)

      Liebe Grüße an dich <3

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  4. Kolumne: MANN KRIEGT, FRAU KRIEGT.. EIN BABY! – janinchen

    […] sie erwartet momentan ihr erstes Baby, hat das ganz ähnlich erlebt und es ziemlich passend HIER in Worte gefasst. Und wie ich da saß, überkam mich immer mehr die pure Vorfreude und ich war […]

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