JANUAR

OWN WHO YOU ARE

Ein Monat vorbei. 2018 is in full swing…naja, fast. Wie ein Januar eben so ist, fühlt er sich ein wenig gemächlich an, langsamer. Die Tage sind ruhig. Wir verbringen sie am liebsten in unserer neuen Wohnung, hauchen ihr immer mehr Leben ein und machen sie zu unserem Zuhause. Ich genieße das zarte Gefühl eines Neuanfangs. Wir alle sind langsam hier angekommen, können durchatmen und uns fallen lassen  – etwas, das wir in den letzten Monaten schrecklich vermisst haben, in denen wir rastlos zwischen den Türen hingen.

Januar also, dieser komische Monat zwischen Feiertagseuphorie und Steuererklärung.

Weißes Rauschen

Ich wache am 1.1. auf, nicht im Neujahrsfieber, nicht übermäßig motiviert, aber mit guten Gedanken. Und dann trifft mich die Nachricht wie ein dumpfer Schlag in den Magen: Kim verliert in der Silvesternacht ihren Kampf gegen den Krebs. Sie stirbt, für die meisten von uns unerwartet – und löst eine unfassbare Welle der Betroffenheit aus. Das ist nicht einfach nur ein Instagram-Bild, eine Caption, ein Hashtag. Das ist real. Ich war selbst von der Heftigkeit meiner Trauer überrumpelt, die mich bis ins Mark getroffen hat und immer noch betroffen macht. Ich weinte um all die Wünsche und Träume, die sie hatte, die sie ganz offen teilte und es bricht mir immer noch das Herz, ihre Mutter, ihren Lebensgefährten und ihre Freundinnen trauern zu sehen.

Weißes Rauschen. Ich glaube, das beschreibt am nächsten, wie sich für mich dieses Gefühl zwischen nicht fassen können und realisieren anfühlt. Und dann frage ich mich, wie sehr ich eigentlich um eine Person trauern darf, die zwar nicht nur ein Instagram-Profil für mich war, aber auch keine enge Freundin. Blöde Frage, blöde Diskussion, ich weiß, aber selbst Alex ist ein bisschen überfordert mit meinen Tränen um einen Menschen, den ich kaum kannte. Vielleicht ist es nicht nur die Trauer um sie und um das Leben, das sie zu früh verlassen musste. Vielleicht ist es die Tatsache, das dieses Schicksal jeden hätte treffen können, mich, dich. Vielleicht ist es der unbequeme Gedanke, dass ich nicht dankbar genug für alles bin. Vielleicht ist es die dumpfe Erinnerung daran, dass das Leben kostbar ist und kurz sein kann. Ich weiß es nicht, aber ihr Verlust ist bitter, auch wenn er viel bewegt und Gutes hervorbringt.

Familienliebe

Alex und ich sind endlich wieder an einem Punkt in unserer Beziehung angekommen, an dem sich alles leicht und schön anfühlt. Alles, vor allem Nähe. Eltern zu werden ist hart, ehrlich, und so intensive Jobs wie unsere machen es nicht unbedingt leichter. Gerade der Alltag wiegt so schwer, wenn man sich unverstanden oder alleine mit allen Aufgaben fühlt. Wir haben viel, viel, viel geredet. Immer wieder an neuen Lösungen gearbeitet, wie wir unseren Alltag besser und einfacher gestalten können, wie wir uns bestmöglich um Henry, unsere Familie und uns kümmern können. Wir sind genau wie alle anderen Paare, wir haben genau die gleichen Probleme, genau die gleichen Diskussionen wie andere Eltern. Aber ich glaube, wir haben alles richtig gemacht, haben gestritten, uns vertragen, nachgegeben oder sind hartnäckig geblieben, aber immer in Liebe, immer im Respekt für den anderen.

Es ist bestimmt das neue Zuhause, die eingekehrte Ruhe, das zufriedene Kind, die Herzensgespräche mit Freunden, aber ich fühle gerade so viel Liebe und so viel gute Energie in mir. Ich hab mir selbst in den letzten Jahren irgendwie abgesprochen, weich und verletzlich zu sein und je mehr ich diese Schwächen wieder zulasse, umso mehr bekomme ich zurück. In jeder Hinsicht.

Unser kleines Baby (das überhaupt kein Baby mehr ist) macht gerade Wahnsinnsssprünge und lernt jeden Tag unheimlich viel Neues. Er spricht, er spielt, er liebt den Kindergarten, schließt richtige Freundschaften mit anderen Kindern und ist einfach ein kleiner glücklicher Junge. Er schenkt uns so viel Liebe, so viele Umarmungen, Küsschen und schöne Erinnerungen, dass ich manchmal gar nicht weiß, wohin mit mir und meinen Muttergefühlen.

 

Keine Pläne

Ich versuche, mein Jahr so frei wie möglich anzugehen. Keine Pläne und keine falschen Erwartungen, nicht an mich, an Menschen in meinem Leben oder an den Job. Ich habe den Eindruck, wir machen uns mit unseren To-Do’s und Plänen und dem Papierkram und unseren Beziehungen verrückt. Life-Work-Balance ist auch nur so ein wackeliges Konstrukt zwischen Büro und Yogastunde, wenn wir nicht wirklich verstehen, dass es darum geht, den Kopf und das Herz frei zu machen. Wir setzen uns permanent unter Druck, lassen viel zu selten los, lassen uns viel zu selten fallen. Zum Beispiel in eine Woche ohne Termine und ohne Verabredungen, in einen Sommer ohne fest gebuchten Urlaub, in ein Jahr, in dem sich vielleicht nicht so viel bewegt.

Klar, das Risiko ist hoch, dass Außenstehende so eine Haltung als Desinteresse oder Schwäche aburteilen. Ich sehe es als meine Stärke, weil ich immer mehr lerne, Momente, Gefühle und Menschen zuzulassen und anzunehmen. Wirklich anzunehmen. Nicht zu bekämpfen und nicht immer für etwas zu kämpfen. Loszulassen, was ich nicht halten oder ändern kann. Solche Prozesse sind nicht einfach, passieren nicht einfach, sind schmerzhaft, sind heilsam und bringen mich zurück zu mir selbst. Nicht, dass ich verloren war oder dass es mir schlecht ging, aber es ist an der Zeit gewesen, meine Prioritäten wieder in die richtige Reihenfolge zu bringen und mich selbst zu einer zu machen.

(„Planlos“ zu sein heißt übrigens nicht, dass ich passiv durch mein Leben wandere, keine Ziele oder Perspektiven mehr formuliere. Ich fokussiere mich auf das, was mich glücklich macht und auf eine Zukunft, die ich mir für mich und meine Familie wünsche. Für mich ist es eine wirklich positive Veränderung, an der ich aktiv mitarbeite und die in meinem Lebensmodell gut funktioniert. Vielleicht nur für eine Weile, aber jetzt gerade tut es mir sehr gut.)

 

 

Quote of the month

OWN WHO YOU ARE.

 

 

 

2 thoughts on “JANUAR

  1. Luise

    So schön, dass du jetzt wieder so viel schreibst!

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