Was würde ich bei einem zweiten Kind anders machen?

Worüber ich mir manchmal Gedanken mache

Henry ist jetzt 22 Monate alt, ein richtiges Kleinkind, das sich mit mir unterhalten kann, so richtig mit seinen Spielsachen spielt und uns fest umarmt, um uns zu zeigen, wie lieb er Papa und Mama hat. Definitiv kein Baby mehr. Was ich damit sagen will: Ich hab mir vielleicht schon den ein oder anderen Gedanken über ein Geschwisterkind gemacht. Henry soll nicht alleine bleiben und ich kann es ehrlicherweise kaum erwarten, noch einmal schwanger zu werden, noch ein Baby in mir wachsen zu spüren, noch einmal eine schöne Geburt zu erleben, noch einmal unser Kind nach Hause zu bringen, noch einmal Mama zu werden.

Ich bin wirklich stolz, wie selbstbestimmt wir unseren Weg bis heute gegangen sind und auf wie viel Liebe wir unsere Familie gegründet haben. Ich liebe jede Erinnerung und jede Erfahrung, die wir seit der Schwangerschaft machen durften, weil sie so viel in uns bewegt haben. Und trotzdem würde ich einige Dinge anders machen, weil ich vor Henry nun einmal so gut wie nichts über Babys wusste und jetzt jeden Tag ein bisschen mehr über Kinder, Familie und mich lerne. Es sind nur Kleinigkeiten, die aber irgendwie auch den Unterschied ausmachen…glaube ich.

 

Keine Diskussion führen

Ich glaube ganz fest an mütterliche Intuition und das wir am allerbesten wissen, was gut für unser Kind ist. Wenn nicht wir, wer dann? Unsere Nachbarin, die sich darüber wundert, dass wir Henry manchmal immer noch im Rucksack tragen? Die Oma, die der Meinung ist, Henry müsste jetzt langsam wirklich auch mal alleine einschlafen? Die Freundin, die findet, man sollte sich dringend von seinem Kind lösen? Die Tante, die ihre Kinder schreien ließ und sichtbar ihre Augen darüber verdreht, das Henry sich fast jede Nacht in unser Bett kuschelt? Ich würde schlicht und ergreifend keine Diskussion mehr darüber führen, warum wir bestimmte Dinge eben so machen, wie wir sie machen, weil wir damit glücklich und zufrieden sind.

 

Selbstbestimmte Geburt

Henrys Geburt war ein schönes Erlebnis. Natürlich, sie war intensiv, sehr schmerzhaft und sehr emotional, aber unsere Wünsche, unsere Privatsphäre und unser Recht auf eine selbstbestimmte Geburt wurden jederzeit respektiert und sind wahrscheinlich der Grund, warum ich unbedingt wieder mit meinen Hebammen im gleichen Krankenhaus entbinden würde. Es gäbe nur eine Sache, die ich gerne anders machen würde: Ich würde mein zweites Kind am liebsten selbst auf die Welt bringen, die Erste sein, die den kleinen Körper hält und ihn mir selbst auf meine Brust legen. Das stelle ich mir wirklich sehr friedlich vor.

 

Wochenbett ohne Besuch

Wir wohnen knapp 250km von unseren Familien entfernt, da kommt keiner für 30 Minuten vorbei und fährt wieder. Just saying. Und das geht gar nicht! Wir hatten schon ab dem dritten Tag stundenlangen Besuch bei uns zuhause, ich wollte natürlich nicht in meinen Gammelklamotten Gäste empfangen und hab deswegen auch relativ schnell versucht, mich wieder in unser normales Leben zu grooven. Das war im ersten Moment nicht unangenehm oder schlimm, aber im Nachhinein keine gute Entscheidung. Ich war nach der langen Geburt ganz schön geschafft, mein Körper hat fast zwei Monate danach noch sehr geschmerzt und ich hätte einfach alles viel, viel langsamer angehen sollen. Mein Kind ankommen lassen und meinen neuen Körper mit diesen riesigen neuen Brüsten voller Milch ankommen lassen. Mir ist jetzt, fast zwei Jahre später klar, wie magisch diese ersten Tage sind und wie schnell sie vorbei sind und das will ich bei einem weiteren Baby noch mehr genießen und konservieren. Beim nächsten Mal würde ich einfach ein paar Tage länger damit warten, bei uns Besuch zu empfangen oder ganz klar kommunizieren, dass unsere Gäste sich zusätzlich ein alternatives Programm überlegen sollten. Hat da jemand ähnliche Erfahrungen von euch gemacht?

 

Länger stillen, später Beikost starten

Ich hab auf Anraten meiner Kinderärztin nach knapp fünf Monaten mit Henrys Beikost angefangen. Das war jetzt nicht per se ein Fehler, Henry hat seinen Brei geliebt und verschlungen, sonst wäre ich sicher nicht dabei geblieben. Aber es hat einfach viel schneller als gedacht dazu geführt, dass ich ihn nicht mehr stillen konnte. Ich war unheimlich erleichtert, dass Henry wenigstens die Flasche genommen hat, weil meine Milch recht schnell schon für keine vollständige Mahlzeit mehr gereicht hat und er jedes Mal schrecklich doll geweint hat, wenn ich ihn angelegt habe. (TMI, aber vielleicht ja nicht uninteressant: Meine Brüste haben ca. 9 Stunden gebraucht, um so viel Milch zu produzieren, dass es für eine Stilleinheit reichte. Damit sind wir einfach nicht über den Tag und die Nacht gekommen!) Vielleicht hätte ich mehr stimulieren müssen, ihn öfter anlegen oder die Milchpumpe benutzen sollen, aber irgendwie wusste ich in dem Moment auch nicht so recht, ob ich es nun gut oder blöd finde, dass ich Henry abstillte. Im Nachhinein find ich es blöd, es hätte uns überhaupt nicht geschadet, einfach alles langsamer angehen zu lassen. Ich war ja eh 24/7 mit Henry zusammen, insofern hab ich mir damit auch keine großen Fenster freigeschaufelt, in denen ich tolle Sachen hätte erledigen können, sondern einfach nur die Option genommen, mein Baby länger Baby sein zu lassen.

Er liebt Essen übrigens immer noch sehr. Und seine Milch auch.

 

Weniger Druck auf mich selbst ausüben

Mütter sind schrecklich hart zu sich selbst, das weiß ich mittlerweile von mir und meinen Mamafreundinnen. Und schon klar, alle Menschen hassen diesen Spruch, aber man weiß halt auch erst, wie es ist, Mutter zu sein und zu fühlen, was eine Mutter fühlt, wenn man eine ist. Egal wie empathisch man auch sein mag, dieser letzte Rest Verständnis für das überwältigendste Gefühl der Welt, fehlt eben. Tut mir ja auch irgendwie leid, aber ich glaube wirklich, dass es so ist. Neben viel Liebe und Nähe halten Mütter den ganzen Tag Druck aus, den eigenen und den von außen. Von der Familie, von Freunden, von Kollegen. Und alle sehen es ähnlich, nämlich, dass man eine Menge anders machen sollte. Lockerer und cooler sein, das ist ganz wichtig, nicht so helikoptern, sondern loslassen, auch wichtig, sowieso mehr ausgehen und mal wieder einen guten Cocktail trinken. (Alkohol ist aus irgendeinem Grund besonders wichtig!)

In starken Momenten konnte ich sowas immer abfedern oder ausdiskutieren, aber in schwachen Momenten habe ich mich deswegen auch schon mal sehr klein gefühlt, obwohl ich gleichzeitig so stolz auf mein Baby und auf mich und Alex war. Ich fand eigentlich alles ganz richtig so, wie wir es gemacht haben. Und ich finde, dass darf man auch, diesen Stolz vor sich hertragen und darüber sprechen, ihn wichtig nehmen und in seinem Herzen konservieren. Bei einem zweiten Kind werde ich wieder Druck spüren, ich werde wieder schwache Momente haben, aber ich werde mir meinen Stolz nicht von anderen nehmen lassen, sondern richtig toll rumstolzieren und mit meiner Familie angeben. So!

 

Hilfe annehmen

Ja, das ist immer noch meine Achillesferse. Ich bin eine ziemlich starke Frau, glaube ich. Ich kann meine Gefühle ganz gut differenzieren, glaube ich. Aber ich kann so so schlecht Hilfe annehmen. Nicht, weil ich die Kontrolle abgeben muss, sondern weil ich niemandem zur Last fallen will. Alex und ich bewegen uns manchmal wie zwei Astronauten durch unseren Alltag und sind echt hart im Nehmen. Wir schaffen alles, auch wenn wir danach fix und fertig beim Abendessen einschlafen. Aber so schwer und hart muss es ja gar nicht immer sein, wenn man einfach mal um Hilfe fragen würde…das wissen wir und daran arbeiten wir. Bei einem zweiten Kind würde ich von vornherein anders planen, eine Putzhilfe organisieren, meine Mutti einladen (sie kocht so, so gut!) und Arbeit abgeben. Man sagt ja auch, es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind zu erziehen. Es muss ja nicht gleich ein Dorf sein, aber ein paar helfende Hände würde ich dankend annehmen.

 

 

2 thoughts on “Was würde ich bei einem zweiten Kind anders machen?

  1. Christina

    Ich würde ( und werde hoffentlich beim zweiten Kind im Sommer ;)) mir wünschen gelassener mit manchen Personen und Kommentaren umzugehen. Ich habe „mein Ding“ durchgezogen, mich dabei hart gegen jede Diskussion gestellt und mich hinterher doch geärgert. Beim zweiten Kind hoffe ich auf mehr innere Ruhe. Und was mich heute beruhigt: das Kind wird gross. Auch wenn es nicht mit fünf Monaten Brei isst, sondern lieber stillt, dass Kind wird laufen, auch wenn es das nicht mit 10 Monaten tut und so weiter. Heute weiß ich, dass alles seine Zeit braucht und sich nicht vergleichen oder in Ratgebern nachlesen lässt. Und definitiv: der Alltag kommt Schell genug wieder, beim 2/3/4 sicher noch schneller und ich werde mich im Wochenbett hoffentlich mehr entspannen können. Lg

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  2. Jana

    Ein ganz wunderbarer Beitrag! Kann vieles nachempfinden, obwohl meine Tochter erst 4 Monate ist… den Zauber des Anfangs mehr genießen, immer auf seine Intuition hören und gerade ein Thema: wann fange ich mit Beikost an. Ich weiß eigentlich ganz genau, dass mein Kind noch nicht bereit ist, aber die Stimmen von außen (‚schläft schlecht weil nicht satt‘ usw.) verunsichern mich schon! Also vielen Dank für deine Worte, die haben mir nochmal bewusst gemacht, dass ich da ganz auf mich hören kann!
    Übrigens, die Milchpumpe hat mir unendlich geholfen! Ohne hätten wir niemals gestillt – ich bin sehr dankbar dafür und kann es dir fürs nächste Kind nur empfehlen. Alles Liebe! Jana

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