Postcard from Tinos

A Mini-Getaway with the Girls

Ich bin auf Tinos, einer kleinen griechischen Insel voller Serpentinen und so authentisch, wie man es wohl kaum mehr auf den Kykladen erwartet. Weil ich hier schon eine Weile keinen Schwung aus meinem Leben erzählt habe, wisst ihr ja auch gar nicht, dass Lina und Luise an meinem Geburtstag im April ein bisschen übertrieben haben: Ich wurde nicht nur köstlichst ausgeführt und hatte einen wundervollen Abend, ich wurde auch mit einer ziemlich verrückten To-Do-Liste überrascht, die wir in meinen Zwanzigern noch zusammen erleben wollen (because this time next year my twenties are over…). Als wäre all das nicht genug, war der letzte Punkt ein gemeinsamer Urlaub an einen unbekannten Ort. Und tatsächlich, bis ich in den Flieger nach Athen stieg, hatte ich keine Ahnung, wo wir die nächsten Tage verbringen werden. Wir sind seit knapp 24 hier auf Tinos, genießen das wunderschöne Wetter, die Abgeschiedenheit, das gute Essen und vor allem uns.

Leaving my comfort zone

Ich habe heute zwischen Pooltime und Tzaziki viel darüber nachgedacht, was dieser Urlaub bereits in so kurzer Zeit mit mir angestellt hat. Und ich will ehrlich sein: Ich hatte ein riesigen Kloß bei dem Gedanken im Hals, Henry zu meinen Schwiegereltern zu bringen, ihn ein Stück weit loszulassen, aber gleichzeitig zuzulassen, eine wirklich gute Zeit mit meinen Freundinnen zu haben. 

Man hört das zwar immer wieder und ich versteh ja auch, wenn es Außenstehenden ein bisschen zum Hals raushängt, aber wenn man Mutter wird, ist von jetzt auf gleich einfach alles anders, alles neu und so aufregend. Man beginnt ganz automatisch, eine neue „comfort zone“ zu entwickeln, in die man zwar reinwachsen muss, aber die sich schnell völlig natürlich anfühlt.

Ich genieße meinen Alltag sehr, ich habe unsere Abläufe und Routinen inhaliert, aber manchmal ist auch genau das mein Problem: Ich sehe einfach kein Ende, keine Möglichkeit, mal innezuhalten und Kraft zu tanken, weil ich so viele andere Dinge tue, die in 24h erledigen werden wollen. Und das ist ok, ich würde mich niemals darüber beschweren, weil ich ein großartiges Kind habe und einen Mann, der mir jeden Tag zeigt, wie sehr er mich liebt. Trotzdem bin ich nur ein Mensch, ich bin durchaus manchmal überfordert, müde, gestresst, schlecht gelaunt, schwach und enttäuscht, weil ich mir selbst nicht gerecht werde und mir so oft am Abend die Energie fehlt, meine Welt und Ansprüche alleine wieder gerade zu rücken. Bevor ich Zeit für mich freischaufle, suche ich lieber nach Inseln im Alltag, die wir zu dritt als Familie verbringen können. Nein, ich will wirklich nicht meckern, aber ich bin in der Regel meine letzte Priorität.

Während es in unserer Villa ganz still wird, finde ich einen Moment, um mein Gefühl in Worte zu fassen. Mein Herz geht gerade so auf, weil diese beiden Herzmenschen mich nicht nur auf eine einsame Insel geschickt haben, sondern den Radius meiner „comfort zone“ vergrößert haben. Ich hatte eine riesige Angst davor, Henry zu meinen Schwiegereltern zu bringen, hatte Angst vor dem Gefühl, ihn schrecklich zu vermissen, hatte Angst, dass er uns vermisst, vielleicht nicht schläft oder viel weint, davor, dass etwas passiert und ich nicht sofort da bin. In meiner kleinen Welt haben wir drei wie ein Uhrwerk funktioniert und erst in den letzten Wochen habe ich immer wieder gespürt, dass es vielleicht doch Zeit wäre, einmal tief Luft zu holen, um dann wieder ganz da zu sein, um Henry im Alltag gerecht zu werden, um eine liebevolle Partnerin zu sein, um ein offenes Uhr und guten Rat für meine Freunde zu haben und auch um meinen Job gut zu machen. Mama zu sein, das ist trotz seines Zaubers eine anstrengende Angelegenheit und bedarf sicherlich zwischendurch ein bisschen Abstand, um die Perspektive zu verändern, den Horizont zu erweitern und die eigene Welt wieder zu vergrößern.

Wovor hatte ich Angst?

Ich hatte so große Sorge davor, dass mir meine Routine unter den Füßen wegrutscht, Angst davor, dass wir beide mit dieser neuen unbekannten Situation vielleicht überfordert sind und wusste doch eigentlich tief in meinem Bauch, dass ich uns diesen neuen Schritt mit einem guten Gefühl zutrauen  kann. Henry, weil er ein so fröhliches Kind ist, er passt sich jeder neuen Umgebung an und liebt einfach jeden, der ihm auch ein bisschen Liebe schenkt. Und naja, selbst wenn er cranky ist,sich beschwert, nachts vielleicht nicht so gut schlafen würde wie Zuhause, selbst wenn er mal weint, darf er jetzt lernen, dass Mama und Papa immer wieder kommen. Man darf vermissen, man darf auch weinen, aber man muss keine Angst haben! Eine große Lektion. Ich sage euch immer, wie wichtig mir ist, dass der kleine Mops selbstständig wird, dass er keine Angst vor dem Leben hat, dass er mutig ist, dass er Gefühle zeigt und sich traut, Entscheidungen für sich selbst zu treffen. Und um zu wachsen, muss man einfach immer einen Schritt aus seiner comfort zone heraus machen.

Und ich, ich darf genießen, ich darf alleine für mich, mit meinen Freundinnen und auch ohne Kind wunderschöne Momente erleben. Ich kann locker lassen, ich darf mein Frühstück in Ruhe genießen, einen Vormittag nichts tun, außer zu lesen und Kopfsprung zu üben, mir einen Sonnenbrand holen, vor dem Mittag einen Cocktail trinken –  auch wenn ich Mutter bin. Und jetzt kommt mir diese Diskussion so dumm vor, denn natürlich kann ich das und natürlich brauchte ich das, aber vor ein paar Tagen fühlte es sich noch anders für mich an. Ich hatte Angst vor dem schlechten Gewissen. Dieser Schritt aus meiner comfort zone ist mein Learning, dass Henry auch ohne mich für ein paar Tage zurecht kommen darf und dass ich (und vielleicht ja bald auch mit Alex zusammen) etwas ohne unseren Sohn genießen darf, ohne mich schlecht zu fühlen. Ganz im Gegenteil, um wieder Boden unter den Füßen zu kriegen, um wirklich Energie zu tanken, um mich wieder auf unseren Alltag und unsere Routinen zu freuen.

Ich empfinde diese Auszeit als das kostbarste Geschenk, dass mir meine Freundinnen machen konnten – nicht nur, um gemeinsam wertvolle Erinnerungen zu schaffen, sondern weil sie mich zum richtigen Zeitpunkt an einem perfekten Ort aus meiner mommy comfort zone gepusht haben. Ich fühle mich so unbeschwert, so leicht, so entspannt und in so guter  Gesellschaft, dass mir die Vermissung überhaupt nicht schwer fällt. Henry hat die Zeit seines Lebens bei seinen Großeltern, Alex konnte in Ruhe und ohne Zeitdruck ein wichtiges Projekt abschließen und ich atme hier ganz tief durch und sauge diese vielen zauberhaften Momente auf.

Eigentlich wollte ich euch nur schöne Grüße schicken, einmal kurz winken und „Hallo!“ sagen, aber mein Herz brauchte vor lauter Dankbarkeit ein bisschen Erleichterung. Habt eine gute Nacht, einen schönen Start ins Wochenende und gönnt euch ruhig mal eine kleine Pause, wenn auch nur auf dem Balkon, um ganz tief in den Bauch zu atmen. Es hilft. ;)

6 thoughts on “Postcard from Tinos

  1. Katharina

    Ich kann dich sehr gut nachvollziehen. Wenn man keine Mutter ist, versteht man nur schwer, wie schwierig es ist, sein Kind „abzugeben“. Mir geht es momentan genauso – auch wenn ich mir einen freien Nachmittag sehr wünsche. Doch ich muss erst Vertrauen zu den möglichen Betreuungspersonen fassen

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  2. Mellli

    Hört sich alles gut und richtig an bei dir und du hast ein tolles Talent deine Gedanken in Worte zu packen.
    Vielleicht magst du einmal als Inspiration etwas mehr von dieser Liste erzählen? Hört sich nach einer tollen Geschenke Idee an
    Alles Liebe,
    Melli

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  3. Jana

    Liebe Regina,

    ich bin zwar (noch) keine Mama, aber trotzdem kann ich mir so gut vorstellen, was dich beschäftigt.
    Und eigentlich wollte ich dir nur sagen, dass mir das Design deines Blogs (ist das das finale neue Design?) sehr gut gefällt:)

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  4. eleonora

    Liebe Regina, ein schöner Text! Ich bin zwar noch keine Mutter, aber ich kann deine Gedankengänge trotzdem sehr gut nachvollziehen. Es ist immer schwer ein wenig über bestehende Verhältnisse hinaus zu schauen, aber am Ende hat es sich bisher immer gelohnt Es klingt jedenfalls so als hättest du eine tolle Zeit dort gehabt und viel dazu gelernt! Mich würde ja auch die Liste interessieren – was steht dort noch so drauf?

    Liebe Grüße,
    Eleonora my personal lifestyle blog

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  5. Malika

    Liebe Regina,
    schön, dass du diese Auszeit genießen kannst! Und ich glaube, dass man sich da erstmal viele Gedanken drüber macht, ist normal…
    Du siehst so glücklich aus in Luises Video, das freut mich richtig!

    iebe Grüße,
    Malika

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    1. Regina
      Regina

      Vielen Dank, ich war auch total entspannt und habe die Zeit sehr genossen! <3

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