Kaffee, Klatsch und eine Runde um den Weiher

Wir spazieren durch Eimsbüttel

Vielleicht ist es die Tatsache, dass wir keinen eigenen Garten haben oder uns unsere 55qm nach einer Weile einfach zu eng werden, vielleicht will ich auch einfach umgehen, dass uns die Decke auf den Kopf fällt, brauche Wind und frische Luft um die Nase oder bin schlicht verzweifelt, weil Henry untröstlich ist und Alex mich schon morgens vorgewarnt hat, er müsse heute vermutlich länger arbeiten. Sicher ist jedenfalls, dass Henry und ich jeden Tag mehrere Stunden draußen verbringen, egal wie schön oder schlecht das Wetter ist. Ich meine, Henry als waschechter Hamburger lässt sich von ein bisschen Nieselregen eh nicht die Laune verderben, aber er sitzt ja auch muckelig geschützt in seinem Sitzsack und versucht die Regentropfen auf dem durchsichtigen Cover einzufangen. Ich bin mittlerweile auch ziemlich gut mit Regenjacke und Gummistiefeln ausgestattet, mein Mascara ist wasserfest und die Haare verstecke ich sowieso unter einer Mütze, weil das Chaos auf dem Kopf wirklich niemand sehen muss.

Eimsbüttel – ihr wisst ja mittlerweile, wie gerne ich in diesem Stadtteil Hamburgs lebe – ist das perfekte Pflaster für junge Eltern wie uns, die eigentlich den ganzen Tag draußen verbringen, sich verständnisvoll mit müden Augen bei der 15. Runde um den Weiher zunicken und sich mindestens 1x am Tag beim Portugiesen für ein Galao oder eine heiße Orange blicken lassen. Im Sommer gibt es nichts schöneres, als mit einer großen Decke und ein paar Snacks im Park zu lümmeln, die kleinen Mäuse spielen zu lassen und sich selbst ein wenig Sonne zu gönnen, im Herbst durch das raschelnde Laub zu spazieren und sich im Winter auf einer Parkbank bei einer dampfenden heißen Schokolade über den Fortschritt im Dating-Alltag von Freundinnen aufklären zu lassen. Nicken, nicht vergessen, auch wenn man überhaupt keine Ahnung hat, wovon sie spricht. Nicken ist sehr wichtig!

Always keep walking

Bevor es raus geht, starten wir in der Regel mit einer kurzen Voice-Nachricht an Lina: Bist du soweit? Wir sind in 5 Minuten da. Unsere täglichen Spaziergänge sind mittlerweile ein lieb gewonnenes Ritual, wir sprechen über die Arbeit, über unseren Alltag, über alles, was sich im Kopf anstaut und mal raus muss, um Platz für frische Gedanken zu machen. Ich packe Henry erst in seinen warmen Walkoverall, trage ihn zwei Etagen runter in den Hausflur und mache es ihm in seinem Kinderwagen gemütlich. Ich gehe in Gedanken nochmal schnell durch, ob ich alles dabei habe (Snacks für Henry, Snacks für mich, Windeln, Tücher, Wasser), dann gehen wir los. Lina kommt uns meistens entgegen, winkt von weitem, während sie irgendwas in ihr Handy tippt. Es ist ein schöner Tag, die Sonne scheint, zwar kalt, aber mild und wir gehen die Osterstrasse entlang, schauen kurz in unser Lieblingscafé „Delice“ rein, ob viel los ist an der Theke und entscheiden uns heute mal für einen heißen Kakao am Weiher. Eimsbüttel ist wie eine kleine Blase in der Großstadt, ich fühle mich hier eigentlich nie gestresst, im Gegenteil, sobald ich draußen bin, fühlt sich mein Tag direkt entschleunigt an.

Wir biegen ab, nehmen ein paar Abkürzungen, treffen andere Mamis (man kennt sich mittlerweile), drehen ein paar Runden um den Weiher und solange Henry mitmacht, setzen wir uns an das kleine Café, wo wir den schönsten Ausblick auf den ruhigen Weiher haben. Ein paar Enten quaken, Henry ist gut drauf und ich genieße diesen völlig idyllischen, unaufgeregten Moment an einem ganz normalen Wochentag.

Ich bestelle eine heiße Schokolade, wir machen Quatsch mit Henry, bringen ihn zum Lachen und hören ihm fasziniert beim Brabbeln zu. Es sind manchmal nur 1,5 Stunden, aber sie beeinflussen die Dynamik unseres Alltags ganz enorm. Es ist natürlich die frische Luft um unsere Nasen, aber auch die vielen Kulissen und Menschen, die unseren Weg kreuzen und unseren Tag automatisch ein bisschen bunter und lauter machen. Für mich ist es allerdings auch – ich trau mich kaum es zu sagen – eine kleine Flucht aus dem Hausfrauenalltag, denn zwischen drei Wäschekörben, einem Spülbecken voller Geschirr, einem Postfach dringender Mails und einem Henry, der ganz viel Aufmerksamkeit braucht, fällt es mir manchmal schwer, locker zu bleiben. Rauszugehen, mich mit jemandem zu unterhalten, der sogar antworten kann, zusammen ein bisschen Gedankenwirrwar zu sortieren, fühlt sich immer gut an und hilft mir dabei, so entspannt zu sein, wie ihr mich kennt. Henry ist meistens einfach nur glücklich darüber, dass wir zusammen sind und teilt sich schon lautstark mit, wenn er sich vernachlässigt fühlt, was aber so gut wie nie vorkommt, weil es meistens doch nur um ihn geht.

Unser Begleiter, Henrys Kinderwagen

Wir schieben seit einigen Monaten ein ziemliches Schlachtschiff durch die Straßen, unser Stokke „Trailz“ ist nicht zu übersehen und tatsächlich schreiben mich immer wieder Leser an, dass sie mich am Kinderwagen erkannt haben. Letztens erst wieder beim Bäcker passiert und ja, ziemlich merkwürdige Situation. Aber schon witzig, oder? Seit November haben wir die Babyschale gegen den Sportsitz ausgetauscht und Henry hat es ausgesprochen gemütlich in seinem kuscheligen Sitzsack. Ich mag die hohe Position des Sitzes und dass ich nur meine Hand ausstrecken muss, um ihn zu beruhigen oder zu necken. Der Unterschied zu den anderen Modellen von Stokke ist das breite Gestell mit den dicken Lufträdern, die unsere Spazierfahrten für Henry unheimlich angenehm machen müssen, weil sich der Wagen spürbar „bouncy“ auf jedem Terrain bewegt. Der Grund, warum es der „Trailz“ geworden ist, ist einfach der, dass die Babyschale als eine der ganz wenigen groß genug für Henry war. Alle anderen Vorzüge, wie das Design oder der Fahrtkomfort, sind schöne (und sehr dankbare) Add-ons. Vielleicht, ganz vielleicht sieht es ein bisschen lustig aus, wie ich mit meinen 1,64m hinter dem Kinderwagen stehe und ihn vor mich hin schiebe, aber bei Alex relativiert sich das wieder ganz schnell.

Ich bin nicht so hart drauf, dass ich den Kinderwagen auch über Treppen ziehe, aber die meisten Unebenheiten auf dem Untergrund werden durch die Lufträder sofort abgefedert und kommen bei Henry kaum bis gar nicht an. Am besten finde ich den riesigen Korb, der meine täglichen Einkäufe aufbewahrt und wirklich ungewöhnlich viel Stauraum bietet. Sogar XXL-Windelpackungen passen rein, diverse Handtaschen meiner Freundinnen oder ein kleiner Wocheneinkauf, deswegen ziehe ich den Kinderwagen auch fast immer dem Tragerucksack vor. Übrigens bin ich so gut wie nie mit dem Auto in Hamburg unterwegs, deswegen stört es mich im Alltag weniger, aber der Kinderwagen nimmt eine Menge Platz im Kofferraum ein, auch wenn das Zusammenklappen und Wiederaufbauen mit minimalem Aufwand verbunden sind. (…aaaaber ich habe den Kinderwagen in Linas KIA verstauen können, mit Henry im Maxi-Cosi, also möglich ist es schon, aber dann passte wirklich nix mehr rein!)

Kinderwagen: Stokke Trailz | Wollanzug von Henry: Hessnatur | Poncho und Boots: Zara

Dieser Beitrag ist in freundlicher Kooperation mit Stokke entstanden. 

5 thoughts on “Kaffee, Klatsch und eine Runde um den Weiher

  1. Sonja

    Liebe Regina – dein Bedürfnis nach „draussen sein“ kann ich total gut verstehen. Bei mir ums Eck ist ein kleiner Park und wenn ich das Bedürfnis nach frischer Luft oder ein bisschen Bewegung hab, drehe ich ebenfalls dort meine Runde – perfekt um Gedanken neu zu ordnen, Inspiration zu finden oder sich einfach ein bisschen zu bewegen.

    Dein neues Blog-Design gefällt mir, ebenso wie die Bilder dieses Beitrages, super gut.
    Viele liebe Grüsse, Sonja <3
    http://www.littlewhitepages.wordpress.co,

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    1. Regina
      Regina

      Hallo liebe Sonja,

      danke für deinen Kommentar! Freut mich sehr, dass dir der Relaunch des Blogs gut gefällt und dich die Bilder ansprechen. Ich geb mir ja auch manchmal Mühe ;)

      Liebe Grüße,
      Regina

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  2. Martha

    Hallo Regina! Es ist so witzig, dass du immer über Eimsbüttel sprecht, als ob es gar nicht Hamburg ist. Wahrscheinlich zeigt das aber auch, wie wohl du dich in dem Stadtteil fühlst. Deine Weiher-Runden hab ich schon auf Snapchat im Sommer miterlebt, aber ich glaube, im Herbst gefällt mir die Kulisse sogar noch besser! ;) Der Kinderwagen steht dir übrigens sehr gut, sieht gar nicht so unheimlich riesig aus…oder vielleicht siehst du auch gar nicht so klein aus!

    Liebe Grüße aus Berlin,
    Martha

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  3. Luise

    Ich möchte auch gerne mal mit euch um den Weiher fahren. <3

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