Travel Diary: 48 hours in Lagos

Starting our Roadtrip

Dieses Travel-Diary wartet seit über einem Jahr auf seine Veröffentlichung. Erst hatte ich keine Zeit, dann wurde ich schwanger und in meinem Kopf surrte es nur so vor Gefühlen. Und vor ein paar Tagen warf ich mal wieder einen Blick in meine Entwürfe und stolperte über diesen Artikel. So, here it is.

Portugal ist unser erster Urlaub nach zwei spannenden und sehr stressigen Jahren mit neuen Jobs, Wohnungs-Wirrwarr, dem Umzug nach Hamburg und eben wenig Zeit für Entspannung, geschweige denn Urlaub. Wir sind sowieso nicht der Typ für Pauschalurlaub, aber gegen Sonne, gutes Essen und ein bisschen Kultur haben wir ganz und gar nichts einzuwenden. Unser Kompromiss: Mit dem Mietwagen durchs Land fahren und von allem ein bisschen mitnehmen: Strand in Lagos, Sightseeing in Lissabon und Wein in Porto.

Wir fliegen ab Bremen mit Ryanair nach Faro und ich stelle mal wieder fest: Ryanair ist einfach nicht das richtige, wenn man eigentlich am liebsten schon am Flughafen in den Urlaub startet. Dafür stimmt das Feeling einfach nicht, aber gut, es war billig. Passiert uns trotzdem nicht nochmal.

In Faro steigen wir in unsere kleine Espressomaschine (Fiat 500) und fahren über die Bundesstraße, an Faro vorbei nach Lagos. Warum Lagos? Es ist am äußeren westlichen Zipfel der Algarve gelegen, hat wunderschöne raue Strände, romantische Buchten und ist zu unserem Reisezeitpunkt (Anfang April) nicht ganz so Touristenüberlastet. Wir checken ein und freuen uns über unser kleines, familiengeführtes Hotel, das in den nächsten 48h unsere Base ist. Wir genießen aus unserem Fenster den Ausblick auf den Hafen von Lagos und machen uns direkt auf den Weg, diesen kleinen Ort zu erkunden.

HOTEL

Es gibt hier unwahrscheinlich viele Gasthäuser, Selbstversorger-Appartements und kleinere Hotels. Was ich besonders mag? Hier gibt es kaum monströse Hotelketten, die die Strände zugebaut haben und somit die schöne Aussicht auf das Meer für sich beanspruchen. Wir können kilometerlang an den Felsen am Strand spazieren gehen (manchmal möchte mir mein Herz aus der Brust springen, so gefährlich sind die ungesicherten Wege), ohne dass uns irgendein Privatstrand den Weg absägt.

Wir übernachten im familiengeführen Hotel „Mar Azul“, das uns mit seinen 2 Sternen völlig ausreicht. Wir haben keinen Luxusurlaub geplant und mit knapp 40€ pro Nacht/Zimmer kann ich mich überhaupt nicht beschweren. Uns ist die Nähe zum Zentrum und zum Wasser wichtig – hier haben wir beides. Das Bett ist gemütlich, das Bad renoviert und vom Zimmer aus haben wir einen tollen Ausblick auf den Hafen. Von hier aus sind Restaurants und die nächsten Strände sternförmig in max. 10-15 Minuten Fußweg zu erreichen. Unser Auto lassen wir die nächsten 48 Stunden im Parkhaus und bewegen uns eigentlich nur zu Fuß durch den Ort.

Was wir sehr schätzen, ist der persönliche Service durch die Hotelbesitzer: Von den frischesten Scampi der Stadt bis zur schönsten Route an der Küste nach Lissabon versorgt man uns uns mit wertvollen Tipps, die in klassischen Reiseführern eher nicht zu finden sind.

FOOD

Frühstück

Wir genießen an beiden Tagen unser Frühstück im „Bora Bora“, das außerdem auch ein beliebtes Gasthaus für Backpacker und Surfer ist. Hier gibt es alles, was das Frühstücksherz begehrt (und Hamburg hat mich in der Hinsicht wirklich verwöhnt): frisch gepresste Säfte, Sandwiches, Joghurts mit Früchten oder auch die portugiesische Variante mit herzhaft belegtem Croissant, süßen Kuchen und einem Galao (Espresso mit heißer, geschäumter Milch). Kleiner Tipp: Bestellt man in Portugal „un café“ gibt es nur einen knackigen Espresso!

Übrigens zahlen wir an beiden Tagen für ein ausgiebiges Frühstück für zwei Personen nur insgesamt 10 €! Eine tolle Qualität zum absolut fairen Preis. Was das angeht werden wir in Portugal aber noch öfter überrascht…!

Lunch

Wir lassen uns tagsüber treiben, schlendern durch die Gassen und entdecken einige tolle Cafés und Restaurants. Unser absoluter Favorit ist das „Ala do Castelo“, wo wir an unserem ersten Tag in Lagos die besten Scampi unseres Lebens essen. Das Restaurant wird uns für seine authentische portugiesische Küche empfohlen und wenn man irgendwas mit gutem Gewissen an Portugals Küsten genießen darf und sollte, dann ist es frischer Fisch! Der Besitzer hat uns auf die besondere Spezialität „Scampi nach Art des Hauses“ hingewiesen und wir kommen einfach nicht mehr aus dem Staunen: Der Geschmack ist so unverfälscht und echt (man kann wirklich alle Kräuter aus der Soße heraus schmecken), dass wir dieses Restaurant weiterempfehlen müssen. Auch unser zweites Lunch hier starten wir mit den Scampi (dazu Brot und Oliven), ich probiere den frischen Avocadosalat und Alex ein Thunfischsteak – die Qualität ist unverändert großartig. Wir zahlen an beiden Tagen nur knapp über 20€ (inkl. Hauswein) für das komplette Menü – unfassbar eigentlich für die großartige Qualität der Zutaten und Zubereitung, die wir hier erleben dürfen.

Kleiner Tipp: In Portugal werden immer unaufgefordert Brot und Oliven vor dem ersten Gang serviert. Das ist kein freundlicher Gruß des Hauses, sondern tritt am Ende immer separat auf der Rechnung auf. Die Kosten sind absolut überschaubar, also kein Grund zur Sorge und wir haben den Service auch fast immer genutzt (die Oliven hier sind einfach zu gut!). Wollt ihr das nicht, könnt ihr den Kellner natürlich darauf hinweisen, dass er die Vorspeise wieder abräumen darf. Sobald ihr davon kostet, muss selbstverständlich auch der volle Preis dafür bezahlt werden.

 

Dinner

Unseren zweiten Abend in Lagos beenden wir mit einem tollen Abendessen im Restaurant „Fernando’s“. Auch hier sind wir auf Empfehlung und bekommen ohne Reservierung sogar noch einen Tisch. Das Restaurant ist in eine Art Steinhöhle gebaut, dadurch ist es hier tagsüber und abends sehr angenehm temperiert und gibt dem Ganzen einen wundervollen rustikalen Touch. Das Essen hier ist eine moderne Komposition aus portugiesischer Traditionsküche und europäischem Flair. Die Portionen sind kleiner als in traditionellen Tavernen, das Essen wird mit Liebe angerichtet und der empfohlene Wein zu den Speisen passt genau richtig.

TO DO

Lagos ist ein ruhiger Ort, ohne viel Tamtam. Die Stadt wirkt wie eine kleine Miniaturwelt: Alles ist sehr überschaubar. Wir lassen uns sagen, dass die Stadt im Sommer vor allem von Surfern besucht wird, die den scharfen Atlantik-Wind an der Küste schätzen. Das erklärt die vielen Hippie-Locations, die gut ausgestatteten Surf Shops und dieses besondere Boho-Feeling, dass man hier überall spüren kann. To Do’s? Die Seele baumeln lassen, gut essen und spazieren gehen. Wir sind stundenlang an den scharfkantigen Felsen entlang am Meer spaziert, haben die unglaubliche Aussicht und das heimliche Gefühl genossen, irgendwie am Ende der Welt zu stehen. Die Buchten an den Stränden sind rau, aber charmant und wirken viel mehr wie kleine Privatstrände. Teilweise hat das Meerwasser kleine Höhlen in die Felsen gearbeitet und wir klettern/krabbeln/wandern mehrere hundert Meter von Strand zu Strand.

Komme ich wieder? Bestimmt. Hier gibt es keine Massenabfertigung und keine großen Hotelmonster, die die Strände verbauen. Alles wirkt irgendwie…entspannt. Als Start für unseren Roadtrip war Lagos einfach perfekt und in ein paar Jahren macht der Urlaub mit Kindern hier bestimmt richtig Spaß! Vielleicht kann ich mich dann sogar für einen Surfkurs begeistern, das steht nämlich ganz oben auf meiner Bucket List. Für Pauschaltouristen hat Lagos vielleicht etwas zu wenig Glamour, aber uns hat der raue Charme der Küstenstadt extrem gut gefallen. Vor allem die Nähe zur Westküste und zum Flughafen macht Lagos für uns zum idealen Urlaubsort.

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