Personal: Destress your life

Ich erinnere mich an eine schwierige Zeit, als ich noch zur Schule gegangen bin und mich mehrmals am Tag wegen heftiger Magenkrämpfe auf dem Boden der Schultoilette zusammenrollen musste, bis die Attacke vorbei war. Ich war nicht krank, wie sich nach wochenlangen Untersuchungen herausstellte, zumindest nicht körperlich. Ich fühlte mich auch nicht krank und hatte auch sonst alles im Griff – bis auf die Krämpfe.  Ich war gut in der Schule, spielte in der Big Band mit, war Teil der Musical-AG, hatte Klavierunterricht, Klarinettenunterricht, begleitete den Chor am Klavier, gab Nachhilfe, ging kellnern…

Als ich 16 Jahre alt war, hörte ich zum ersten Mal von einem Arzt, dass ich lernen muss, mit Stress umzugehen und mir gesunde Grenzen zu setzen, weil das sonst mein Körper für mich tut. Er hat mich davor gewarnt, Stresssymptome zu ignorieren und mir dringend geraten, Inseln in meinen Alltag einzubauen: Sport, Lesen, Mediatation, ganz egal was. Bis dahin war ich mir sicher, dass ich unter Stress besser lerne und mir eine gute Portion Leistungsdruck eigentlich ganz gut tut.

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Im Studium habe ich vom ersten Tag für mich selbst gesorgt, mein eigenes Geld verdient, meine Ausgaben genauestens kontrolliert und viel zu oft gezittert, wie ich den nächsten Monat schaffen soll. Das Studium war zwar meine erste Prorität, aber sehr dicht gefolgt von persönlichen Problemen und ständigen Geldsorgen. Bis ich eines Tages keine einzige Seite mehr lesen konnte, ohne den Faden zu verlieren. Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren, nicht mehr schlafen, nicht mehr essen. Ich hatte mitten am Tag Panikattacken, Migräne und unregelmäßige auftretende Lebensmittelallergien. Ich war genau da gelandet, wovor mich mein Arzt sieben Jahre vorher gewarnt hat: Mein Körper hat sich radikal gegen ein Leben auf höchstem Stressniveau gewehrt.

Heute. Man sollte meinen, ich hätte gelernt, mich besser zu verstehen und Signale zu lesen. Ja, vielleicht. Ich weiß, wann ich mich aus bestimmten Situationen herausziehen muss, wann ich mir eine Pause gönnen muss, wann es ok ist, das Handy in den Flugmodus zu stellen. Ich habe gelernt, dass ich anscheinend sensibler auf bestimmte Situationen reagiere, als andere. Ich bin deswegen nicht schwach oder labil und muss mich auch nicht vor Menschen dafür erklären, die sowas mit einem Handwisch abtun. Stress macht krank, wie ich an meinem eigenen Körper erlebt habe, obwohl ich geschworen hätte, dass es mir gut geht. Und ja, ich habe immer noch Momente, in denen ich mir nicht sicher bin, wie weit ich noch gehen kann, ohne „krank“ zu werden…

Es gibt einige Hilfestellungen, die meinen Alltag ohne viel Aufwand entstressen und die euch vielleicht auch dabei helfen können, wieder den Boden unter den Füßen zu sehen.

1. CALM DOWN. Es ist wahnsinnig entschleunigend, wenn man den Tag ganz ruhig startet oder beendet. Ich kenne den Zwang, direkt nach dem Aufstehen zum Handy zu greifen, Emails zu checken, alle Social Media Apps durchzuklicken und am besten noch einen kleinen Guten-Morgen-Gruß in die Tasten zu hacken. Sich selbst einen Riegel davor zu schieben, ist extrem schwer! Mittlerweile liebe ich meine kleine Morgenroutine, wenn ich meine Zeit mit niemandem teilen muss, schalte mein Handy in den Flugmodus, genieße eine Dusche, den frischen Kaffee und kann meine Gedanken sortieren und notieren.

2. EAT WELL. Ich habe bei mir festgestellt, dass ich an besonders stressigen Tagen viel zu schnell esse, öfter zu ungesunden Mahlzeiten greife und zu wenig trinke. Das führt nicht nur dazu, dass ich mich nach dem Essen schlecht fühle, sondern auch viel häufiger Kopfschmerzen bekomme. Ich nehme mir jetzt auch im Job mindestens 30 Minuten Zeit um vernünftig zu essen, in Ruhe zu kauen, trinke dabei ca. 2 Gläser Wasser und gehe dann meistens noch 30 Minuten an die frische Luft. Das einfachste Mittagessen bleibt für mich: 1 Avocado, eine Handvoll Cocktailtomaten, etwas körniger Frischkäse, Salz und Pfeffer.

3. MEDITATE. Meditation ist für mich im weitesten Sinne: Gedanken sortieren, zur Ruhe kommen, die Welt still stehen lassen. Für mich ist Yoga die beste Möglichkeit, um meinen Körper zu spüren, anzustrengen und dabei die stressigen Dinge des Lebens auszublenden. Ich fühle mich danach inspiriert, entspannt und habe das Gefühl, das auch in meinen Alltag zu integrieren. Vor allem in hektischen Situationen merke ich, dass ich ruhiger als früher bleibe und ganz unangestrengt positive Energie verbreiten kann.

4. LET GO. Mich gewissen Situationen zu entziehen und von Menschen zu trennen, die mir offenkundig nicht gut tun, ist eine schwere, aber wichtige Lektion. Das passiert selten von jetzt auf gleich, sondern ist ein langsamer Prozess. Im Alltag sieht das eher so aus, dass ich zwischendurch einfach meine Klappe halte, Diskussionen ohne Ergebnis beende, „Nein“ sage, wenn ich mich nicht wohl fühle und mich aus Problemen anderer raushalte, wo ich nichts ändern kann. Im Nachhinein hat wohl jede Begegnung einen Sinn, aber man muss nicht zwanghaft an Menschen festhalten, die keinen positiven Einfluss auf das eigene Leben haben.

5. JUST BE. Ich halte mich zu viel damit auf, nachzudenken, abzuwägen, einzuordnen. Manchmal hält mich das davon ab, einfach zu leben, schöne Dinge zuzulassen und um mich herum wahrzunehmen. Es ist nicht wichtig, was andere von mir halten, sondern was ich von mir halte und ich will eigentlich nur eines sein: Glücklich. Und das erreiche ich am einfachsten, wenn ich die Menschen, die ich liebe, glücklich machen kann und jeden Tag versuche, ein guter Mensch zu sein.

6. ENJOY. Ich glaube, das wichtigste ist, sich mit Dingen zu beschäftigen, die einen begeistern. Mir fällt immer wieder auf, wie viel Energie ich wirklich habe, wenn ich ein Projekt auf die Beine stelle, dass mir Spaß macht und woran ich glaube. Die Grenze zwischen Arbeit und Passion gibt es dann nicht mehr und in meinem Fall ist das die einzige Möglichkeit, um erfolgreich zu sein. Sobald ich mich zwingen muss, einen Job zu erledigen, wenn es keine übergeordnete Vision gibt, wenn es keinen Unterschied macht, ob ich 12h am Tag arbeite oder nicht, dann laden sich meine Batterien nicht mehr richtig auf. Ich weiß, dass jeder Mensch anders funktioniert, aber mein Motor ist Leidenschaft und nur um den Zweck zu „arbeiten“ zu erfüllen, ist mir mein Leben zu schade. Findet eure Leidenschaft, lasst euch inspirieren und macht euer Leben wunderbar und erinnernswert.

Ich hoffe, dieser Post kann euch dabei helfen, euren Alltag zu ent-stressen, Ruhe zuzulassen und das Leben ein kleines bisschen mehr zu genießen!

5 thoughts on “Personal: Destress your life

  1. Anni

    Ein toller Post, der mich gerade auch zum Nachdenken bringt. Ich lerne gerade für mein Examen und werde mal versuchen, deine Tipps umzusetzen.
    Ich finde deinen Schreibstil echt toll, umso mehr finde ich es schade, dass mir deine Posts bei Bloglovin schon seit mehreren Wochen nicht angezeigt werden (habe das jetzt über Instagram gesehen). Geht das nur mir so?
    Liebe Grüße,
    Anni

    Antworten

    1. Regina
      regina

      Liebe Anja, danke für deine lieben Worte! Das Problem mit Bloglovin versuche ich schon seit einigen Wochen
      zu beheben, funktioniert auch mit deren Support nicht so richtig gut, wie du merkst. Ich habe einen NEUEN Follow-Button,
      da werden auch die aktuellen Posts angezeigt, nur leider musste ich da wieder bei Null anfangen.

      Viel Glück bei deinem Examen, lass dich nicht zu sehr stressen!

      <3 Liebe Grüße, Regina

      Antworten

  2. Malika

    Oh je, mit dem Stress kann ich mich auch gut identifizieren. Bei mir waren es Heulkrämpfe abends, als ich von der Schule nach Hause gekommen bin… Das ist noch gar nicht so lange her und jetzt bemühe ich mich stetig, mir den Stress im Alltag zu nehmen. Für mich als wichtigstes hat sich tatsächlich viel schlafen herausgestellt. Ich muss einfach schlafen, sonst kann ich nicht! Auch der Selbstzwang, jeden Tag einen Spaziergang zu machen, hat viel gebracht :)
    Ich hoffe, dir geht es jetzt gut und dir gelingt es, den Stress in Grenzen zu halten!
    LIebe Grüße,
    Malika

    Antworten

    1. Regina
      regina

      Spaziergehen ist einfach DAS Heilmittel, finde ich! :-)
      Aber schlafen klingt auch gut…
      Klar, mir gehts jetzt wesentlich besser, aber das war ein
      ganz schön steiniger Weg hierhin!

      Ganz liebe Grüße an dich, Regina

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  3. Maxi

    Hallo Liebste Malina,
    mir ging es tatsächlich schön ähnlich bis genau so.
    Bei mir kam nur dazu, dass durch den Stress und Leistungsdruck, kleine Baustellen aus meiner Kindheit aufgerissen wurden. Zu lange ignorierte ich es trotzdem – die folge : eine Angststörung – Stillstand.

    Ich musste einen kompletten Neuanfang machen, mein Leben neu sortieren, alle Gewohnheiten ändern und leider einiges Aufgeben. Komplett Angst und Sorgenfrei bin ich immer noch nicht, aber auf einem sehr guten Weg!
    Ich hätte viel früher auf meinen Körper hören sollen, aber was sollst, ich sehe es als zweite Chance, Neuanfang, um mit meinem Körper und vorallem meiner Seele besser umzugehen.

    Vielen Dank für diesen tollen Post von dir! Es gibt mir Mut.
    Fühl dich herzlich gedrückt.

    Maxi von storeroomoflife.blogspot.com

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